PLATOW Börse - Fraport liefert beim Cashflow, Frankfurt bleibt die Baustelle
Sinkende Investitionen lassen den Free Cashflow kräftig steigen. Das Auslandsgeschäft hebt den Konzern über das Vorkrisenniveau, während es am Heimatflughafen weiter hakt. Was dies für die Aktie bedeutet.>
Mit 461 Mio. Euro Free Cashflow im dritten Quartal hat Fraport die Erwartungen weit übertroffen. Der Konsens lag bei 276 Mio. Euro. Die Eckdaten kannte der Markt schon (siehe Ticker vom 27.10.), die Überraschung steckte erst in den vollständigen Zahlen vom Mittwoch (4.11.).
Nach neun Monaten steht der Free Cashflow bei 93 Mio. Euro (Vj.: 48 Mio. Euro). Viel fehlt zum Jahresziel eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags also nicht mehr. Ob es erreicht wird, ist dennoch offen, denn das vierte Quartal ist in der Luftfahrt traditionell schwach. „Das Topquartal ist immer das dritte Quartal“, sagt Finanzvorstand Matthias Zieschang. Im Winter sinken die Einnahmen, die (Fix-)Kosten kaum. Der Free Cashflow schwanke im Schlussquartal deshalb stets um die Nulllinie. „Insofern werden wir dann bezogen auf das Gesamtjahr in etwa in dieser Höhe herauskommen, die wir jetzt auch im dritten Quartal gezeigt haben.“ Der LSEG-Konsens von rund 140 Mio. Euro dürfte damit wohl zu hoch gegriffen sein. Die Cashflow-Wende ist trotzdem geschafft.
Der Grund: Nach dem Ende des Ausbauzyklus investiert Fraport deutlich weniger. Im dritten Quartal sanken die Investitionen um 41% auf 195 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Zieschang eine „Punktlandung“ bei 900 Mio. Euro, nach 1,13 Mrd. Euro im Jahr 2025.
Die Nettoverschuldung fiel gegenüber Ende Juni um rund 430 Mio. Euro auf 8,26 Mrd. Euro. Das entspricht dem 5,7-Fachen des EBITDA. Bis Jahresende soll die Verschuldung wieder auf dem Vorjahresniveau von 8,2 Mrd. Euro liegen – trotz Dividende und negativer Wechselkurseffekte. Das Gearing sank gegenüber September 2025 um 7 Prozentpunkte auf 152%. Auf jeden Euro Eigenkapital kommen also etwa 1,52 Euro Nettofinanzschulden. Entlastung bringt das Tilgungsprofil: Pro Jahr muss der Konzern nur rund 1 Mrd. Euro refinanzieren, weniger als ein Zehntel seiner Finanzschulden.
Frankfurt bleibt ausgebremst Drei Faktoren haben Frankfurt in den ersten neun Monaten nach Fraport-Rechnung rund 2,7 Mio. Passagiere gekostet. 1,2 Mio. gehen auf den Angebotsabbau der Lufthansa zurück, unter anderem durch die Stilllegung der Tochter CityLine. 0,8 Mio. kostete der Nahost-Konflikt, 0,7 Mio. die Streiks. Gegenüber dem Vorjahr lag das Aufkommen dennoch nur 0,2% im Minus, weil andere Verbindungen zulegten. Auch der Winterflugplan bringt keine Entlastung: Die Flugbewegungen sinken um 5%, die Sitzplätze um 2%. Die Airlines setzen aber größere und vollere Maschinen ein. CEO Stefan Schulte hält das Vorjahresniveau von 63,2 Mio. Passagieren deshalb für erreichbar, mit einer Unschärfe von 100.000 bis 200.000 Reisenden.
Auch die Kosten drücken. Der Personalaufwand in der Aviation-Sparte stieg nach neun Monaten bereinigt um 6%. Ein Effizienzprogramm mit KI und Digitalisierung soll die Gemeinkosten senken. Details folgen mit den Jahreszahlen im März.
Ein Lichtblick ist das neue Terminal 3. Es erzielt je Fluggast rund 30% mehr Einzelhandelsumsatz als zuvor Terminal 2. Im Schnitt aller Fluggäste zeigt sich das erst allmählich: Nach neun Monaten lag der Einzelhandelserlös je Fluggast mit 3,18 Euro noch einen Cent unter Vorjahr, im dritten Quartal bereits leicht darüber. Der Grund: Terminal 3 deckt nur rund ein Sechstel der Passagiere ab. Im übrigen Flughafen drücken Kaufkraftschwäche und fehlende Gäste aus Nahost auf die Umsätze. Mehr Schwung soll Condor bringen. Die Airline zieht ab dem Sommerflugplan 2027 mit über 6 Mio. Passagieren in T3 um. Schulte erwartet davon weniger Vorfeldpositionen – auch bei der Lufthansa –, zufriedenere Kunden und damit höhere Einzelhandelsumsätze.
Für 2027 mehren sich die Hoffnungszeichen. Lufthansa signalisiert mehr Kapazität, die Streiks dürften ein Einmaleffekt bleiben, und die Konjunkturindikatoren in Deutschland erholen sich. Schulte bleibt trotzdem vorsichtig. Wegen der hohen Standortkosten werde Frankfurt „unterproportional“ zum Auslandsgeschäft wachsen. Entsprechend begrüßte er, dass sich Bundeskanzler Friedrich Merz für eine weitere Senkung der Luftverkehrsteuer ausgesprochen hat. Laut Schulte belasten staatliche Abgaben einen Langstreckenflug nach New York ab Deutschland mit rund 17.000 Euro. Ab Brüssel sind es 4.000 Euro, ab Madrid 1.000 Euro.
Das Ausland trägt den Konzern Konzernweit hat Fraport in den ersten neun Monaten mit 101% erstmals wieder das Passagierniveau von 2019 übertroffen. Herausragend laufen die Flughäfen in Griechenland mit 128% und Lima mit 111%. Nur Antalya schwächelt. Dort belastet nicht allein die Nähe zum Nahen Osten, sondern auch das hohe Preisniveau: Die Lira hat weniger abgewertet, als die Inflation die Preise in der Türkei treibt. Mit anderen Worten, Urlaub dort ist für Europäer teuer geworden.
Im dritten Quartal lieferte das Auslandsgeschäft 54% des EBITDA (Vj.: 47%), welches um 0,4% auf 595 Mio. Euro stieg. Darin steckt der bereits gemeldete Sondergewinn von 24 Mio. Euro. Die EBITDA-Prognose (über 1,44 bis rund 1,5 Mrd. Euro) bestätigte Fraport, das Konzernergebnis sieht Schulte „eher am unteren Ende“ der Spanne von 300 bis 400 Mio. Euro. Das untere Ende hatten wir bereits bei unserem Update Mitte Oktober für wahrscheinlich gehalten. Am EBITDA-Ziel von 2 Mrd. Euro für 2030 hält der CEO fest.
Höher bewertet als beim Einstieg Seit ihrem Jahrestief bei 56,80 Euro am 12.10. hat die MDAX-Aktie (68,60 Euro; DE0005773303) um rund 21% zugelegt. Sie notiert damit etwa auf dem Niveau unserer Abstufung im August. Günstiger ist sie seit unserer Depotaufnahme im März trotzdem nicht geworden, obwohl der Kurs leicht unter unserem Einstand von 69,24 Euro liegt. Im Gegenteil: Der für die nächsten zwölf Monate erwartete Gewinn je Aktie sank seither von 3,99 auf 3,31 Euro. Das Forward-KGV stieg von 17,6 auf 20,7. Hauptgrund sind höhere Abschreibungen und Zinsen nach den Terminaleröffnungen. Den Gewinntiefpunkt erwarten Analysten 2027, für 2028 liegt das KGV bei rund 16. Mit 1,2 ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis günstiger als im Zehnjahresschnitt (1,3).
Offen bleibt, ob die Dividende 2027, wie vom Konsens erwartet auf 1,95 Euro steigt, nach zuletzt 1 Euro. Dafür muss die Verschuldung auf rund das Fünffache des EBITDA sinken.
Im August hatten wir auf Halten abgestuft, weil sich die Cashflow-Wende verzögerte. Diese ist nun belegt. Doch Frankfurt bleibt ausgebremst, und die Aktie ist heute höher bewertet als bei unserem Einstieg.
Wir bleiben bei Halten, der Stopp liegt angesichts der Lage im Nahen Osten unverändert bei 52,00 Euro.