PLATOW Börse - Deutsche Börse liefert – und die Prognose hat noch Luft

Von Platow Brief

Die Deutsche Börse hebt ihre Prognose erneut an und begründet das allein mit höheren Zinserträgen. Doch auch das Kerngeschäft läuft stark, die Ziele wirken übertreffbar. Uneingeschränkt billig ist die Aktie allerdings nicht.>

Unser Musterdepotwert Deutsche Börse hat geliefert, und zwar nicht nur dank der Zinsen. Wie in unserer Vorschau auf die Zahlen erwartet, hob der Börsenplatzbetreiber die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Im dritten Quartal übertraf der Konzern die Erwartungen bei Erlösen, EBITDA und Gewinn je Aktie jeweils um rund 2%.

 

 

Das Treasury-Ergebnis stieg nach den Zinsanhebungen von EZB und Fed um 7% auf 218 Mio. Euro. Den größeren Teil der positiven Überraschung liefert aber das Kerngeschäft. Von 35 Mio. Euro Mehrerlös gegenüber dem Konsens stammen 22 Mio. Euro aus dem Geschäft ohne Zinserträge. „Das war nicht nur ein marktgetriebenes Quartal”, sagte CEO Stephan Leithner im Call mit Analysten. Etwa drei Viertel des Wachstums seien strukturell.

Am kräftigsten wuchs das Handelsgeschäft Trading & Clearing. Bei Zinsderivaten lag das Volumen 43% über dem Vorjahr und gut ein Fünftel über den Erwartungen. Die Erlöse erreichten dort mit 181 Mio. Euro einen Rekord. Zyklisch ist das nur zum Teil. Rund 60% des diesjährigen Wachstums in diesem Geschäft ordnet das Management strukturellen Treibern zu. Dazu zählt das Clearing außerbörslich gehandelter Derivate (OTC-Clearing, Erlöse +40%), wo die Börse immer mehr institutionelle Kunden gewinnt.

Fund Services profitiert derweil davon, dass europäische Anleger mehr Vermögen in kapitalmarktbasierte Produkte lenken. Die Marge stieg auf gut 60%. Erneut bremste dagegen IMS, das Geschäft mit Software und Indizes für Vermögensverwalter. Dessen EBITDA brach um 23% auf 88 Mio. Euro ein. Finanzchef Jens Schulte verwies auf ein negatives Beteiligungsergebnis von 18 Mio. Euro und vorgezogene Kosten. Den gesamten Rückgang von rund 27 Mio. Euro erklärt das aber nicht.

 

 

Die neue Prognose (Erlöse über 6,5 Mrd. Euro, EBITDA rund 3,9 Mrd. Euro) stehe im Einklang mit dem aktuellen Analystenkonsens, sagte Schulte. Die Anhebung um 100 Mio. Euro geht allein auf das höher angesetzte Treasury-Ergebnis zurück. Trotzdem halten wir ein Übertreffen für möglich. Denn ohne Treasury-Ergebnis von 0,8 Mio. Euro erwartet Schulte Erlöse von 5,7 bis 5,8 Mrd. Euro. Das unterstellt für das Schlussquartal nur rund 8% Wachstum, nach 14% im dritten Quartal. Von einer derartigen Verlangsamung ist aber nichts zu sehen: „Bislang hat sich das günstige Umfeld im vierten Quartal fortgesetzt”, sagte Leithner im Call.

Das Risiko liegt bei IMS. Um das Jahresziel im Softwaregeschäft zu erreichen, braucht die Tochter Simcorp ein starkes Schlussquartal. Dabei läuft das Geschäft gegen eine hohe Vergleichsbasis an (Erlöse IMS im Q4 2025: 412 Mio. Euro). Die Pipeline möglicher Kundenaufträge sei allerdings groß, so Schulte.

Die Aktie (311,80 Euro; DE0005810055) markierte am Donnerstag mit 312,80 Euro ein neues Verlaufshoch. Mit dem 23-Fachen der künftigen Gewinne ist das DAX-Papier höher bewertet als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (20‑fach). Steigende Gewinnschätzungen (+15% seit Jahresbeginn) und ein erwartetes Gewinnwachstum von 12% p.a. bis 2028 stützen die Bewertung allerdings. Teilt man das KGV durch das erwartete Gewinnwachstum (PEG), ergibt sich 1,9. Das liegt sogar knapp unter dem historischen Wert von 2,0 (KGV 20 bei 10% Wachstum). Die Rechnung geht aber nur auf, wenn das Wachstum so eintritt. Und mindestens ein Viertel davon stammt immer noch aus zyklischen Quellen.

Für Enttäuschungen bleibt also kaum Raum. Im Musterdepot bleibt die Aktie Kernposition, die wir ohne Stopp führen. PLATOW-Neuleser warten mit dem Einstieg bei der Deutschen Börse trotz des hohen Momentums (RSL 1,2) auf attraktivere Kurse.

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