Niedrige Gasspeicherstände - Zusätzliche Absicherung kostet 107 Mio Euro
Berlin, 23. Okt (Reuters) - Angesichts deutlich niedrigerer Füllstände in den Gasspeichern als im Vorjahr sichert sich Deutschland zusätzliche Gaslieferungen für den kommenden Winter. Allein die Sonderausschreibungen zur Absicherung der Versorgung im Februar und März 2027 kosten rund 107 Millionen Euro, wie der für die Organisation des deutschen Gasmarktes zuständige Betreiber Trading Hub Europe (THE) am Freitag auf Reuters-Anfrage mitteilte. Hinzu kommen rund 137 Millionen Euro für reguläre Ausschreibungen, mit denen THE wie jedes Jahr Gaslieferungen für mögliche Netz-Engpässe absichert. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Bereithaltung damit auf knapp 245 Millionen Euro. Die Zuschläge für die Ausschreibungen wurden am Freitag erteilt.
Die deutschen Gasspeicher waren nach Daten vom 21. Oktober lediglich zu 61,1 Prozent gefüllt. Ein Jahr zuvor waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 75,4 Prozent. Die zusätzlichen Ausschreibungen stehen im Zusammenhang mit Bemühungen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die Versorgungssicherheit angesichts niedriger Speicherfüllstände zu erhöhen. Anders als bei den regulären Ausschreibungen muss das Gas bei den zusätzlichen Liefervereinbarungen aus Gasspeichern bereitgestellt werden können. Dadurch sollen Energiehändler einen finanziellen Anreiz erhalten, Gas länger in den Speichern zu belassen und möglicherweise weitere Mengen einzulagern.
Bei den Verträgen handelt es sich um eine Art Versicherung für den Fall, dass zusätzliches Gas benötigt wird. Die beteiligten Unternehmen verpflichten sich, bestimmte Gasmengen bei Bedarf zu liefern. Dafür erhalten sie eine Vergütung, auch wenn das Gas später nicht abgerufen wird. Die knapp 245 Millionen Euro sind somit zunächst Kosten für die Bereithaltung. Falls tatsächlich Gas benötigt wird, kommen die Kosten für die gelieferten Mengen hinzu. Die Verträge bedeuten nicht, dass bereits entsprechend viel zusätzliches Gas eingelagert wurde.
Nach Angaben von THE konnte nahezu der gesamte ausgeschriebene Bedarf gedeckt werden. Die Ausschreibungen waren deutlich überzeichnet, es gab also mehr Angebote als benötigt. Die Kosten lagen laut THE höher als bei vergleichbaren Ausschreibungen im Vorjahr.