Massenproteste erwartet - Frankreich mobilisiert 70.000 Polizisten
Paris, 31. Okt (Reuters) - Frankreich will am Samstag mit einem Großaufgebot von 70.000 Polizisten auf neue landesweite Proteste reagieren. Innenminister Laurent Nunez kündigte ein "extrem entschlossenes Vorgehen" gegen jegliche Unruhen an und sprach von einem "sehr hohen Risiko". Die Demonstrationen, die auf Halloween fallen, folgen auf schwere Ausschreitungen und Plünderungen vor zwei Wochen. Die Behörden befürchten, dass Randalierer Halloween-Masken nutzen könnten, um ihre Identität zu verschleiern. Die Proteste richten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten, den Zustand öffentlicher Dienstleistungen und die Regierung von Präsident Emmanuel Macron.
Die Proteste gewannen an Fahrt, als Macrons Minderheitsregierung die Haushaltsgespräche für 2027 begann. Angesichts einer Staatsverschuldung von fast 120 Prozent der Wirtschaftsleistung und steigender Zinskosten steht die Regierung unter Spardruck. An den Demonstrationen beteiligen sich Studenten, die über marode Schulen und ein als unfair empfundenes Zulassungssystem für Universitäten verärgert sind, sowie Gewerkschaften und die wiedererstarkte "Gelbwesten"-Bewegung. "Wenn wir als Zukunft Frankreichs keine Mittel haben, bedeutet das, dass Frankreich am Ende zusammenbrechen wird", sagte der 15-jährige Schüler Aaron Berthier de Grandry, der am Wochenende erneut demonstrieren will.
Die Unruhen belasten eine Wirtschaft, die nach am Freitag veröffentlichten Daten bereits im dritten Quartal schrumpfte. Die Handelskammer schätzt die Verluste für den Einzelhandel auf über eine Milliarde Euro, andere Schätzungen liegen doppelt so hoch. Politisch geben die Unruhen der Rechtspopulistin Marine Le Pen Auftrieb, die in Umfragen vor der Präsidentschaftswahl im April führt. In den Einkaufsstraßen von Paris wurden bei früheren Ausschreitungen unter anderem Geschäfte von Luxusmarken wie Hermes, Louis Vuitton und Burberry beschädigt.
Die Proteste in Frankreich haben Jugendliche in ganz Europa zu Demonstrationen inspiriert; für Samstag sind in mehr als 30 deutschen Städten Kundgebungen geplant. Die französische Regierung treibt unterdessen ein umstrittenes Gesetz voran, das Randalierer für Schäden in Höhe von bis zu 10.000 Euro haftbar machen soll. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Maßnahme das Recht auf friedlichen Protest untergraben könnte. Die US-Botschaft riet Reisenden, Orte von Demonstrationen zu meiden.