IG Metall zählt mehr als 400.000 Teilnehmer an Warnstreiks
München, 06. Nov (Reuters) - An der ersten Warnstreikwelle im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie haben sich in dieser Woche nach Angaben der IG Metall mehr als 400.000 Beschäftigte beteiligt. Die Gewerkschaft drohte am Freitag mit einer Verschärfung des Arbeitskampfs, wenn die Arbeitgeber bei den Verhandlungsrunden in den Tarifbezirken Bayern und Nordrhein-Westfalen am Montag kein verbessertes Angebot vorlegten. "Wenn die Arbeitgeber eine Eskalation wollen, sind wir vorbereitet", sagte Daniel Friedrich, der Verhandlungsführer der IG Metall im Bezirk Küste. "Wir werden mit unserer Tarifkommission die nächsten Schritte besprechen."
In dem nördlichen Tarifbezirk, der von Bremen bis an die mecklenburg-vorpommersche Ostseeküste reicht, waren Arbeitgeber und Gewerkschaft am Freitag in der dritten Verhandlungsrunde ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die Arbeitgeber bieten bisher eine Einmalzahlung im Juli 2027 an, die je nach Ertragslage zwischen 500 und 850 Euro liegen würde, bei Krisen-Unternehmen aber auch gestrichen werden kann. Ab Juli 2028 wollen sie die Tariflöhne um 1,3 Prozent erhöhen.
Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche von November an fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie Regelungen zur Beschäftigungssicherung. Gut verdienende Unternehmen sollen zudem eine Gewinnbeteiligung bezahlen. In Baden-Württemberg hatte die IG Metall den Arbeitgebern am Donnerstag Lösungen zur Sicherung von Investitionen und Standorten vorgeschlagen. Die Gewerkschaft zeigte sich bereit zu zeitlich befristeten Regelungen, nach denen Beiträge der Belegschaft gegen verbindliche Beschäftigungszusagen der Unternehmen vereinbart werden könnten.
Die IG Metall zog am Freitag eine erste Warnstreikbilanz. An mehr als 2800 Aktionen - von kurzen Arbeitsniederlegungen bis zu Kundgebungen - hätten sich mehr als 413.000 Beschäftigte beteiligt. Das seien deutlich mehr gewesen als in der Tarifrunde 2024. "Sie haben damit gezeigt, dass sie nichts, aber auch gar nichts von dem Minusangebot der Arbeitgeber halten", sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner. "Pauschale Sparprogramme zur Renditesicherung und Lohnverzicht sind mit uns nicht zu machen. Nur Innovationen und Investitionen bringen den Industriestandort Deutschland nach vorne." Gestreikt und demonstriert wurde unter anderem bei den Autobauern MercedesMBGn.DE, AudiVOWG.DE und BMWBMWG.DE, bei den Lkw-Bauern Daimler TruckDTGGe.DE und MAN8TRA.DE, beim Windradbauer Siemens GamesaENR1n.DE sowie beim Flugzeugbauer AirbusAIR.PA. Für Montag sind weitere Warnstreiks angekündigt.
Die bayerischen Metall-Arbeitgeber kritisierten die Streiks: "Das lehnen wir ab", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm), Bertram Brossardt. "Wir erwarten von der IG Metall weniger Klassenkampfrhetorik, weniger Streiks und dafür mehr Lösungswillen."