Fed hält Leitzins trotz anhaltender Inflationsgefahr konstant

Von Reuters News

- Die US-Zentralbank hält den Leitzins in Zeiten hoher Inflation stabil. Die Federal Reserve (Fed) beließ ihn am Mittwoch in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit der Pause gerechnet, nachdem die Fed unter ihrem Präsidenten Kevin Warsh im September erstmals seit rund drei Jahren eine Erhöhung gewagt hatte. Experten sagten in ersten Reaktionen:


BERND WEIDENSTEINER, COMMERZBANK:

"Warsh hatte keine wirklich klare Antwort darauf, warum die Fed angesichts überhöhter Inflation und starken Wachstums nicht jetzt schon eine weitere Zinserhöhung geliefert hatte. Der Verweis darauf, dass man in der Zeit bis zur nächsten Sitzung Informationen sammeln könne, überzeugt nicht wirklich. Der Fed-Chef hat es geschafft, dass man nicht mehr auf Neuigkeiten auf der Pressekonferenz setzen kann. Damit wird sich jeder ein eigenes Bild von der Reaktionsfunktion der Fed machen. Ob dies der Fed hilft, steht allerdings dahin. Schließlich wird der Markt aufgrund der fehlenden Wegweisung durch die Fed wohl eine höhere Unsicherheitsprämie einpreisen."


THOMAS GITZEL, VP BANK

"Auch wenn die Fed auf ihrer Oktober-Sitzung den Leitzins konstant hielt, im Dezember, wenn die Währungshüter das nächste Mal tagen, wird es zu einer neuerlichen Zinsanhebung kommen. Das Statement lässt keine andere Schlussfolgerung zu: Die Fed betont, dass die wirtschaftliche Aktivität sich kräftig ausweiten würde. Während die Unsicherheit – unter anderem aufgrund geopolitischer Entwicklungen – weiterhin hoch bliebe, würden sich die inländischen Ausgaben als widerstandsfähig erweisen. Die Inflation bleibe weiterhin hoch. Die Fed wird diesen falkenhaften Worten Taten folgen lassen. Eine Zinsanhebung im Dezember ist nahezu in Stein gemeißelt."


BASTIAN HEPPERLE, BETHMANN HAL

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Unmittelbar vor den Zwischenwahlen bleibt die Fed auf Beobachtermission. Der Inflationsdruck ist aber noch immer stark. Die Fed muss darauf reagieren, möchte sie ihren Ruf als glaubwürdige Inflationsbekämpferin erhalten. Aktuell läuft sie aber Gefahr, das Leitzinsniveau zu spät zu straffen. Im Dezember dürfte der Leitzins erneut steigen und dann leicht restriktiv wirken."


MICHAEL HEISE, HQ TRUST

"Die Fed hat auf eine Zinserhöhung kurz vor den Zwischenwahlen in den USA verzichtet. Das war trotz hoher Inflation erwartet worden. Der Preisauftrieb ist in hohem Maße von den Energiepreisen bestimmt, nicht von übermäßiger Nachfrage. Es ist daher nachvollziehbar, dass die Fed die Zinsen nicht sofort weiter erhöht hat. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Die aktuell hohen Energiepreise werden auch auf die Preise der inländischen Produktion durchwirken und halten die Inflation bis Jahresende auf einem zu hohen Niveau. Im Dezember ist mit einer Zinserhöhung zu rechnen."


ELMAR VÖLKER, LBBW RESEARCH

"An und für sich hätte es für die US-Notenbanker gute Gründe gegeben, ihr Tagesgeldzielband bereits heute abermals nach oben zu schleusen. Man kann nur mutmaßen, ob sie gefürchtet haben, dass sie sich mit einer Zinserhöhung kurz vor den US-Zwischenwahlen dem Vorwurf einer Einflussnahme auf den Wahlausgang aussetzen. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Mit Blick auf die nächste Fed-Sitzung im Dezember dürften sich die Gewichte der Argumente pro und contra Zinsanhebung u.E. maßgeblich zur 'Pro-Seite' verschieben."

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