EU debattiert über Produktionsvorgaben - Chinesische Autobauer handeln
- von Nick Carey und Rachel More
Paris, 13. Okt (Reuters) - Noch sind die Vorgaben der Europäischen Union zu "Made in Europe" nicht beschlossen, mit denen die hiesige Industrie vor der Konkurrenz aus China geschützt werden soll. Doch die chinesischen Autobauer sind schon einen Schritt weiter und bauen ihre Produktion in Europa aus. "Wir sind entschlossen, lokale Fertigungskapazitäten zu errichten", sagte Changan-Präsident Zhao Fei auf der Pariser Automesse. Dazu würden derzeit verschiedene Möglichkeiten geprüft. Er selbst sei zweimal nach Europa gereist, um mit Zulieferern zu sprechen, und habe auch mit europäischen Autobauern über eine gemeinsame Produktion von Fahrzeugen gesprochen.
Changan strebt an, bis 2028 jährlich 180.000 Autos in Europa zu bauen, bis 2030 sollen es 350.000 werden - das wären etwa so viele Autos, wie bei einer vollen Auslastung im gefährdeten VW-Werk in Zwickau gebaut werden können. Die ersten Autos sollen Anfang 2027 vom Band laufen, das ist lange vor dem Inkrafttreten von Produktionsvorgaben.
Die "Made in Europe"-Vorschläge gehören zum Industrie-Gesetzespaket Industrial Accelerator Act, kurz IAA. Sie sehen vor, dass Autos, die hier staatliche Unterstützung erhalten, zu einem bestimmten Prozentsatz in Europa gebaut werden müssen. Derzeit läuft eine Diskussion, welche Länder zu Europa gezählt werden, weil etwa die Türkei, Großbritannien oder Marokko wichtige Automobilstandorte und Heimat von Zulieferern sind.
VolkswagenVOWG.DE-Chef Oliver Blume unterstützte bei einer Rede auf der Messe die Vorgaben. Ein starkes Europa benötige eine starke Industrie, sagte er. Autobauer aus der Türkei, Marokko und Großbritannien werben dafür, dass diese Länder auch zu Europa gezählt werden, weil sonst grenzüberschreitende Lieferketten in Gefahr gerieten. Der türkische Branchenverband OIB rechnet es vor: So komme etwa mehr als die Hälfte der Teile, die im türkischen FordF.N-Werk verbaut würden, aus Europa. "Wir sind zusammengewachsen", sagte OIB-Chef Kemal Yazici. Die Türkei sei ein integraler Teil der europäischen Autoindustrie und sichere 250.000 Arbeitsplätze in Europa.
Doch die Chinesen wollen nicht warten, bis das Gesetzeswerk final ist. Xpeng-Vizepräsident Yeqing Zheng sagte, sein Unternehmen wolle die Produktion in zusätzlichen Werken dann aufnehmen, wenn die Regelungen in Kraft träten. Derzeit lässt Xpeng seine Fahrzeuge im Magna-Werk in Steyr in Österreich endmontieren. Chery-Chef Yin Tongyue sagte, er strebe auch eine Entwicklung in Europa an. "Wir wollen ein lokales Design. Wir wollen Ingenieure vor Ort haben, eine lokale Produktion und eine lokale Lieferkette."
Entsprechend dürften die Mechanismen, mit denen die EU die hiesigen Unternehmen schützen wolle, die chinesischen Hersteller nicht abschrecken, sagte Auto-Analyst Felipe Munoz. Die chinesischen Unternehmen hätten bewiesen, dass sie alles sehr schnell umsetzen könnten. So seien sie auf Hybridautos umgestiegen, nachdem die EU Zusatzzölle auf chinesische Elektroautos verhängt habe. "Made in Europe" werde das Leben für die Chinesen etwas schwieriger machen, sagte er. "Aber es wird sie nicht stoppen."