Deutsche Firmen bauen weniger Stellen ab - Autobauer aber streichen Jobs

Von Reuters News

- Am Arbeitsmarkt in Deutschland zeichnet sich Besserung ab - auch wenn viel Unsicherheit bleibt. Die Firmen planen, insgesamt etwas weniger Stellen abzubauen, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im Oktober zum Vormonat leicht um 0,4 auf 95,5 Punkte. "Die Unternehmen werden beim Stellenabbau etwas vorsichtiger", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. "Für einen breiten Beschäftigungsaufbau fehlt dem Aufschwung aber noch die Stärke."

Zugleich kletterte der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Oktober um 0,3 auf 100,1 Punkte und liegt damit erstmals seit Jahresbeginn leicht im positiven Bereich. Dennoch zeigt sich dem IAB zufolge insgesamt nur Stagnation. Klar positive Aussichten gebe es seit 2023 nicht mehr. Die Arbeitsmarktaussichten hätten sich mit einer stabileren Konjunktur aus dem Tal gekämpft, sagte Enzo Weber vom IAB. "Aber für mehr reicht es im Moment noch nicht. Zu schwer wiegt die Hypothek der Industriekrise und der demografischen Schrumpfung."


JOBABBAU GEHT BEI INDUSTRIE UND IN AUTOBRANCHE WEITER

In der Industrie hat sich die Situation laut Ifo gegenüber September sogar leicht verschlechtert. Die Unternehmen planen weiter mit weniger Personal. "Vor allem in der Automobilindustrie sollen weitere Stellen abgebaut werden", erklärte das Ifo. Mercedes-BenzMBGn.DE etwa kündigte an, Kosten zu senken und weiter Personal abzubauen. Auf dem weltweit größten Automarkt China laufe es für den schwäbischen Konzern viel schlechter als erwartet, sagte Vorstandschef Ola Källenius.

Bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen sind dagegen laut Ifo mehr Neueinstellungen vorgesehen. Zuletzt plante die Industrie Anfang 2023 einen Personalaufbau.


MEHR ZUVERSICHT BEI DIENSTLEISTERN

Die Dienstleister wollen eher Arbeitsplätze schaffen. Auch bei den Leiharbeitsfirmen wächst angesichts der verbesserten Konjunkturaussichten die Zuversicht. Im Handel planen die Firmen dagegen unverändert mit weniger Personal, und auch im Baugewerbe zeichnet sich dem Ifo zufolge ein leichter Stellenabbau ab.

Die deutsche Wirtschaft setzt in diesem und im nächsten Jahr auf eine spürbare konjunkturelle Belebung. Bundesregierung und Experten erwarten 2026 und 2027 rund ein Prozent Wachstum - angeschoben vor allem durch staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Weil sich die privaten Unternehmen mit Investitionen aber noch zurückhalten, ist für viele Ökonomen vorerst noch kein sich selbst tragender Aufschwung in Sicht.

Nach einem wohl schwachen dritten Quartal dürfte es zum Jahresende besser laufen, erklärte das Berliner DIW zu seinem monatlichen Konjunkturbarometer. "Die deutsche Wirtschaft startet offenbar einen Jahresendspurt, vor allem weil die Industrie nach Jahren der Schwäche endlich wieder Tritt fasst", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. "Von einem breiten Aufschwung sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt." Die privaten Haushalte hielten sich angesichts hoher Preise und eines schwachen Arbeitsmarkts weiter zurück.

Dies zeigte sich auch am Barometer zum Konsumklima für November, das auf den tiefsten Stand seit Mai fiel. Der Indikator sank um 0,2 auf minus 30,8 Punkte, wie aus den Daten der GfK-Marktforscher und des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) hervorgeht.

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