Der PLATOW Brief - Commerzbank – Zwischen Berlin und Mailand hakt es schon wieder
Berlin fühlt sich von Unicredit-Chef Andrea Orcel düpiert. Jetzt kursieren auch noch Spekulationen um mögliche Nachfolger für Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Das steckt dahinter.>
Auffällig zeitgleich meldeten „Süddeutsche Zeitung“, „Handelsblatt“ und „Börsen-Zeitung“, dass der ehemalige HVB-Chef und aktuelle Co-Leiter der Unternehmensbank der Deutschen Bank, Michael Diederich, der Favorit von Unicredit-Lenker Andrea Orcel für die Nachfolge von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sei. Ob Diederich für den Posten überhaupt zur Verfügung steht, ist jedoch unklar. Angeblich soll Diederich ein gutes Verhältnis zu Orcel pflegen und habe die HVB seinerzeit nur aus Liebe zu seinem Herzensverein FC Bayern verlassen. Wir hören hingegen, dass es sich damals eher um eine Flucht vor Orcels rabiatem Vorgehen bei der HVB gehandelt haben soll. Zudem kursiert mit dem ehemaligen Deutsche Bank-CFO James von Moltke ein weiterer prominenter Name als vermeintlicher Orlopp-Nachfolger.
Dass Orlopps Tage an der Commerzbank-Spitze gezählt sind, steht außer Frage. Da gibt sich auch die stets nüchtern-sachliche Orlopp keinen Illusionen hin. Aber vielleicht sind die erkennbar bewusst gestreuten Personalspekulationen auch ein Ablenkungsmanöver. Sollen sie doch offensichtlich die Botschaft vermitteln, Orcel treibe die Machtübernahme bei der Commerzbank mit Volldampf voran. Tatsächlich knirscht es, wie zu hören ist, in den Verhandlungen zwischen Unicredit und der Bundesregierung derzeit ziemlich heftig. Berlin ist verschnupft über Orcels jüngsten Affront.
Verhandlungen standen kurz vor Einigung Dabei wähnte sich die Bundesregierung in den Gesprächen nach dem Spitzentreffen zwischen Orcel und Finanzminister Lars Klingbeil auf einem guten Weg zu einer schnellen Einigung, die angeblich kurz bevorstand. Doch dann erschien zu Wochenbeginn der offensichtlich von Mailand inspirierte „FT“-Beitrag, in dem die Unicredit-Pläne zur Ablösung Orlopps sowie der gesamten Kapitalseite des Commerzbank-Aufsichtsrats einschließlich der beiden vom Bund vorgeschlagenen Vertreter ausgerollt wurden.
Die dafür erforderliche HV solle möglichst schon im Januar, spätestens im Februar stattfinden. Das düpierte Finanzministerium reagierte erzürnt. Unicredit bemühte sich zwar um Schadensbegrenzung und ließ etwas scheinheilig verlauten, es sei unangemessen, laufende Verhandlungen öffentlich zu kommentieren.
Orcel erneut auf Konfrontationskurs Doch der Scherbenhaufen war angerichtet und die jüngsten Spekulationen um die Orlopp-Nachfolge dürften das angespannte Verhältnis zu Berlin nicht gerade verbessern. Einmal mehr scheint Orcel wieder auf eine Konfrontationsstrategie umzuschwenken. Ermutigen dürfte den Unicredit-Lenker seine Erfahrung, dass es ihm mit Unnachgiebigkeit schon einmal gelungen ist, den Widerstand des Bundes gegen die Mehrheitsübernahme der Commerzbank zu brechen. Wenn erst der Aufsichtsrat und die Vorstandsspitze in der Hand von Unicredit sind, werde die Bundesregierung über kurz oder lang erneut einknicken. Das scheint zumindest das Mailänder Kalkül zu sein.
Bund will Causa Commerzbank vom Tisch haben Um den Aufsichtsrat einschließlich der Vertreter des Bundes auszutauschen, reicht Unicredit die einfache HV-Mehrheit, die Orcel bereits sicher hat. Doch spätestens für die angestrebte Übernahme der HVB durch die Commerzbank („Reverse Merger“) benötigen die Italiener eine HV-Mehrheit von 75%. Ohne die Unterstützung der Bundesregierung dürfte das schwierig werden.
Da auch die Einbringung der HVB in die Commerzbank voraussichtlich nicht ausreicht, um Unicredit eine sichere HV-Mehrheit von ebenfalls 75% für den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags zu verschaffen, könnte Orcel abermals auf den Bund angewiesen sein. In die Hände von Orcel spielt dabei, dass Berlin derzeit wichtigere Probleme vor der Brust hat und das leidige Commerzbank-Thema möglichst schnell vom Tisch haben will. Dafür könnte die Bundesregierung auch bereit sein, das Auslandsgeschäft der Commerzbank zu opfern.