Daimler Truck steigert Gewinn - Auftragseingang enttäuscht
Frankfurt, 06. Nov (Reuters) - Daimler TruckDTGGe.DE hat im dritten Quartal dank einer Erholung seines wichtigen Marktes Nordamerika den Gewinn kräftig gesteigert. Doch ein überraschend niedriger Auftragseingang schürt Zweifel, ob das Wachstum nach drei Jahren Rezession auf dem US-Lkw-Markt nur ein Strohfeuer war. Das bereinigte Betriebsergebnis sprang von Juli bis September um mehr als 70 Prozent auf 1,124 Milliarden Euro nach einem Einbruch im Vorjahreszeitraum, wie der Lkw-Bauer am Freitag mitteilte. Die bereinigte Umsatzrendite verbesserte sich um drei Prozentpunkte auf 9,1 Prozent.
Zu der Erholung trugen vor allem ein starkes Absatzwachstum und eine höhere Profitabilität in der Sparte Daimler Trucks North America bei. Dort war der Absatz um 51 Prozent gestiegen, weil die Spediteure nach langer Kaufzurückhaltung ihre Flotten wieder erneuern. Insgesamt verkauften die Schwaben im Sommer mit gut 91.000 Lkw und Bussen 26 Prozent mehr als vor Jahresfrist. "Unsere Ergebnisse im dritten Quartal zeigen, dass unser Geschäft weiter an Dynamik gewinnt", sagte Vorstandschefin Karin Radström.
UNSICHERHEIT DURCH US-REGULIERUNG
Das operative Ergebnis lag damit im Rahmen der Erwartungen. Analysten der US-Bank Citi verwiesen jedoch auf den schwächeren Auftragseingang, der im hohen einstelligen Prozentbereich hinter den Marktprognosen zurückgeblieben sei. Daimler-Aktien gaben deutlich nach.
Der Auftragseingang in Nordamerika fiel wesentlich niedriger aus als am Markt erwartet: Daimler erhielt zwölf Prozent mehr Bestellungen - nach den Daten von Visible Alpha hatten Analysten aber mit einem Sprung um ein Drittel gerechnet. Daimler-Chefin Karin Radström erklärte, nach Gesprächen mit Kunden und angesichts steigender Frachtraten in den USA sei sie optimistisch für das kommende Jahr. So habe es im November einen Großauftrag gegeben.
Hintergrund der Unsicherheit ist eine regulatorische Änderung: In den USA gelten ab 2027 schärfere Abgasvorschriften (EPA27). Wie im Umweltrecht dort üblich, gibt es aber keinen harten Schnitt, ab dem alle Hersteller neue Motoren anbieten müssen. Schmutzigere Motoren können weiter genutzt werden, dafür wird ein Bußgeld fällig, die Nonconformance Penalty (NCP). Die Umweltbehörde EPA hat noch nicht festgelegt, wie hoch dieses ist. Deshalb können sich Kunden nicht entscheiden, ob sie sich Lastwagen mit einem neuen, aber teureren Motor leisten oder mit dem Bußgeld günstiger wegkommen. Spekuliert wird, dass unter der gelockerten Umweltpolitik der Trump-Administration die EPA zu einer geringen Strafe neigen könnte.
AUFTRAGSEINGANG SCHWÄCHER ALS BEI DER KONKURRENZ
Daimler Truck bietet für seine Marken Freightliner und Western Star ab 2027 ausschließlich neue EPA27-konforme Motoren an. Das sehen Analysten als Risiko. Bernstein Research wies darauf hin, dass sich der Auftragseingang des US-Marktführers für Schwerlaster schwächer entwickelt als bei den Konkurrenten VolvoVOLVb.ST oder Traton8TRA.DE. Radström erklärte, das Verfahren bei der Behörde habe sich vermutlich wegen der Kongresswahl lange hingezogen. Sie geht aber nicht davon aus, dass der Sieg der Demokraten am Inhalt der Entscheidung etwas ändert. Auch mit Blick auf die wirtschaftliche Lage sowie die Zoll- und Steuerpolitik sei zumindest kurzfristig keine Änderung durch die neuen politischen Machtverhältnisse zu erwarten.
Der Konzern bestätigte seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 und erwartet weiterhin eine bereinigte Umsatzrendite im Industriegeschäft von sieben bis neun Prozent. Daimler hatte wegen besserer Aussichten in den USA den Jahresausblick im Sommer angehoben, auch wenn die gestiegenen US-Importzölle unter Berücksichtigung von Zollerstattungen das Ergebnis um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag belasten. Bei 43 bis 47 Milliarden Euro Umsatz (Vorjahr 42 Milliarden Euro) will der Dax-Konzern ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro erreichen, nach 3,5 Milliarden Euro 2025.