BioNTech dank BMS-Partnerschaft im Quartal profitabel - Hoher Neunmonatsverlust
Frankfurt, 03. Nov (Reuters) - Der Mainzer Biotechkonzern BioNTech hat im dritten Quartal schwarze Zahlen geschrieben und blickt wieder etwas optimistischer auf das Gesamtjahr. Unter dem Strich stand von Juli bis September ein Gewinn von 184,5 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 28,7 Millionen Euro angefallen war, wie Biontech am Dienstag mitteilte. Der Umsatz schrumpfte wegen der insgesamt geringeren Nachfrage nach Covid-Impfstoffen auf 1,29 (Vorjahr: 1,52) Milliarden Euro.
BioNTech hatte im Sommer eine Meilensteinzahlung von seinem US-Partner Bristol Myers (BMS)BMY.N über 613 Millionen Euro für das dritte Quartal in Aussicht gestellt. Einnahmen aus dieser Partnerschaft stützten nun laut einer Analystenpräsentation das Ergebnis maßgeblich. Biontech profitierte zudem vom Wegfall hoher Sonderlasten für Rechtsstreitigkeiten, die das Ergebnis vor einem Jahr gedrückt hatten.
Auf Sicht der ersten neun Monate steckt BioNTech jedoch tief in den roten Zahlen. Der Nettoverlust weitete sich bis Ende September auf 1,17 Milliarden Euro aus, nach einem Minus von 831 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen begründete dies mit der geringeren Impfstoffnachfrage im Jahresverlauf, hohen Forschungskosten sowie Abschreibungen. Gleichwohl hob das Management die untere Grenze der Umsatzprognose für 2026 an. BioNTech rechnet nun mit Erlösen zwischen 1,7 und 1,9 Milliarden Euro, statt wie zuletzt mit 1,6 bis 1,9 Milliarden. Ursprünglich hatte das Unternehmen allerdings 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro angepeilt, das Ziel im Sommer wegen der schwachen Impfstoffnachfrage jedoch deutlich gesenkt.
Auch der US-Partner PfizerPFE.N, mit dem BioNTech in der Pandemie seinen Covid-Impfstoff entwickelt hatte, spürt den Nachfrageeinbruch bei Corona-Impfstoffen und -Medikamenten, konnte dies im dritten Quartal jedoch durch gute Geschäfte mit anderen Arzneien ausgleichen. Der Konzern hob am Dienstag dank dieses Wachstums seine Umsatzprognose für 2026 erneut an.
Um die Abhängigkeit vom schrumpfenden Corona-Geschäft zu verringern, treibt Biontech den Wandel zum Krebsmedikamenten-Hersteller voran. Ziel sei es, das Unternehmen bis 2030 breiter aufzustellen und mehrere Produkte auf den Markt zu bringen. Die Forschungs- und Entwicklungskosten kletterten im abgelaufenen Quartal entsprechend auf 748,1 Millionen Euro nach 564,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Um den teuren Schwenk in die Onkologie zu finanzieren, setzt BioNTech auf ein striktes Sparprogramm. Die eigene Produktion von Covid-Impfstoffen in Deutschland wird aufgegeben und an den US-Partner PfizerPFE.N übertragen. Da sich keine Käufer fanden, schließt BioNTech bis Ende 2028 seine Werke in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen. Durch den Umbau fallen bis zu 1860 Stellen weg, ab 2029 sollen jährlich rund 500 Millionen Euro eingespart werden. Den weiteren Weg muss das Unternehmen ohne seine prominenten Gründer gehen: Ugur Sahin und seine Ehefrau, Medizinchefin Özlem Türeci, ziehen sich aus dem Vorstand zurück, um eine neue Firma zu gründen. Spätestens Anfang Februar 2027 übernimmt der Manager Guido Oelkers das Ruder, der vom schwedischen Biopharma-Konzern Sobi nach Mainz wechselt.