Warnstreiks in der Metallindustrie laufen bundesweit an
Frankfurt, 02. Nov (Reuters) - In der Metall- und Elektroindustrie haben die Warnstreiks bundesweit Fahrt aufgenommen. Ob bei Audi in Ingolstadt, Mercedes-Benz in Berlin oder Tata Steel in Gelsenkirchen - in vielen Betrieben legten Beschäftigte am Montag vorübergehend die Arbeit nieder und machten vor Werkstoren Druck für ihre Forderungen. Die IG Metall verlangt für die 3,7 Millionen Beschäftigten der wichtigsten deutschen Industrie fünf Prozent mehr Geld ab November sowie eine tarifliche Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Während für Unternehmen unter wirtschaftlichem Druck der Bedarf nach mehr Instrumenten zur Krisenbewältigung geprüft werden soll, fordert die Gewerkschaft eine Gewinnbeteiligung in gut verdienenden Branchen.
Das Angebot der Arbeitgeberverbände zur zweiten Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche betrachtet die Gewerkschaft als Minusrunde, weil nicht einmal die Inflationsrate ausgeglichen würde. Neben einer Einmalzahlung von einem Prozent im Juli 2027 boten die Arbeitgeber 1,3 Prozent mehr Lohn ab Juli 2028. Bei Krisenunternehmen soll die Einmalzahlung gestrichen werden können - in Baden-Württemberg, wo die derzeit kriselnde Autoindustrie einen hohen Anteil hat, wäre davon fast jedes zweite Unternehmen betroffen. Die Arbeitgeber argumentieren, die Industrie stecke in der schwersten Krise seit Gründung der Bundesrepublik.
Die Warnstreiks gehen die gesamte Woche weiter. Eine Bilanz, wie viele Beschäftigte sich beteiligt haben, will die IG Metall am Freitag ziehen. Bei der vorangegangenen Tarifrunde im Herbst 2024 waren jeden Tag mehr als 100.000 Arbeitnehmer mit roten Fahnen, Trillerpfeifen und Sprechchören auf den Straßen.
Einen weiteren Verhandlungstermin gibt es bisher nur im norddeutschen Bezirk Küste, wo die Tarifparteien am 6. November wieder zu Verhandlungen zusammenkommen wollen.