Vonovia senkt Ziele für 2028 – höhere Zinsen bremsen Wachstum
Berlin, 28. Okt (Reuters) - Der Immobilienkonzern VonoviaVNAn.DE tritt wegen gestiegener Zinsen und eines schwachen Transaktionsmarktes auf die Bremse. Der Konzern senkte am Mittwoch seine Ziele für 2028 und setzt neue Investitionen im Rahmen des Programms Manage-to-Green vorerst aus. Gezielte Investitionen, etwa in die Dekarbonisierung, laufen weiter. Auch das Neubaugeschäft für den eigenen Bestand wird reduziert, wie das im Dax notierte Unternehmen in Bochum mitteilte. Die Sparte wird nun strategisch überprüft, um höhere risikoadjustierte Renditen zu erzielen und das Geschäftsmodell stärker auf bezahlbaren Wohnraum auszurichten. Insgesamt setzt Vonovia zudem auf einen Maßnahmenplan zum Schutz der Liquidität.
Für das laufende Jahr rechnet Vonovia nun mit einem operativen Ergebnis (Adj. EBITDA) in der unteren Hälfte der bisherigen Spanne von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern (Adj. EBT) soll am unteren Ende der Spanne von 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro liegen. Das organische Mietwachstum werde mit etwa 3,8 Prozent etwas geringer ausfallen als die zuvor angepeilten vier Prozent. Die Angaben beruhen auf vorläufigen Zahlen für die ersten neun Monate, deren prüferische Durchsicht noch aussteht. Die vollständige Zwischenmitteilung für das dritte Quartal soll am 4. November veröffentlicht werden.
Vonovia legt erstmals eine Prognose für 2027 vor: Das Adj. EBITDA soll leicht über dem Niveau von 2026 liegen, das Adj. EBT ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Die Investitionen sollen rund 1,5 Milliarden Euro betragen. Beim organischen Mietwachstum liegt die Prognose mit rund 4,0 Prozent deutlich unter dem Analystenkonsens von 4,8 Prozent, den die Mitteilung ebenfalls nennt. Das Ziel für 2028 wurde von rund 5,0 auf rund 4,5 Prozent gesenkt. Grund dafür sind gestiegene Kapitalkosten in der Projektentwicklung, die die Schaffung von neuem Wohnraum für den eigenen Bestand verzögern. Das Investitionsvolumen für 2028 soll von rund 2,0 auf rund 1,7 Milliarden Euro sinken. Oberste Priorität bleibe der Schuldenabbau.
Das Marktumfeld hat sich nach einer Besserung bis Mitte Februar wieder eingetrübt, heißt es in der Mitteilung. Erhöhte geopolitische Unsicherheiten, der Konflikt im Nahen Osten und die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September hätten die Finanzierungsbedingungen deutlich verschlechtert. Seit Beginn der Eskalation im Nahen Osten sei die Rendite der achtjährigen Vonovia-Anleihen um rund 140 Basispunkte gestiegen.
Vonovia-Chef Luka Mucic erklärte: "Das operative Kerngeschäft von Vonovia bleibt stabil. Höhere Finanzierungskosten belasten jedoch sowohl das Finanzergebnis als auch die Transaktionsvolumina in unseren verkaufsbezogenen Geschäftsbereichen." Das Unternehmen setzt dagegen auf strengere Renditeanforderungen, die Überprüfung der Projektentwicklung und die Sicherung der Liquidität. Das Kerngeschäft mit der Vermietung von mehr als 528.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich entwickle sich weiterhin robust. KI-gestützte Effizienzinitiativen sollen ab 2030 einen jährlichen Beitrag zum operativen Ergebnis von rund 50 Millionen Euro leisten.