Volkswirte zum Wachstum der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal

Von Reuters News

- Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Frühjahr hatte die Wirtschaft noch um 0,3 Prozent zugelegt. Ökonomen sagten dazu in ersten Kommentaren:


JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:

"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat im dritten Quartal erneut zugelegt, obwohl die Energiepreise deutlich gestiegen sind und die Industrie unter dem Niedrigwasser im Rhein litt. In den kommenden Quartalen sollte die deutsche Wirtschaft weiter wachsen – aber wie bisher mit moderatem Tempo. Denn wegen des Fehlens durchgreifender Reformen bleibt die Standortqualität ramponiert, was eine nennenswerte Erholung der Unternehmensinvestitionen weiter verhindern dürfte. Außerdem sollten sich die Exporte wegen Trumps Zöllen und Chinas Wettbewerbsdruck nicht wie sonst in Aufschwüngen üblich stark erholen."

JENS-OLIVER NIKLASCH, ÖKONOM LBBW:

"Die Daten zeigen, dass die Konjunktur weiterhin besser läuft als gedacht. Selbst die negativen Sondereffekte aus dem Dürresommer oder eine Produktionsumstellung in der Automobilindustrie vermochten den Trend zwar zu bremsen, aber nicht, ihn zu wenden. Nach der von Destatis berichteten Tendenz haben die Ausfuhren keinen nennenswerten Beitrag mehr geleistet. Vermutlich greifen jetzt die Staatsausgaben umso stärker, und der private Konsum läuft ein bisschen besser. Im nächsten Jahr wird deutlich, ob die Belebung der Konjunktur dauerhaft ist oder nur ein Strohfeuer, gespeist von der Fiskalpolitik. Für ein dauerhaft höheres Wachstum müssten die Investitionen stärker zulegen, was bis jetzt nicht der Fall ist."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT BETHMANN HAL:

"Dass die Wirtschaft das nächste Plus liefert, liegt vor allem am schuldenfinanzierten Fiskalpaket. Ohne diesen künstlich initiierten Impuls hätte die Wirtschaftsleistung wohl stagniert. Dies auch deshalb, weil Verbraucher durch kräftig gestiegene Energiepreise belastet sind. Die Fiskalimpulse dürften die Wirtschaft auch in den kommenden Quartalen anschieben. Das Wachstumstempo wird aber eher solide als dynamisch ausfallen. Hierfür sprechen hohe Energiepreise und gestiegene Zinsen, die Verbraucher und Unternehmen belasten. Kapazitäten dürften wegen schwieriger Standortbedingungen nur zögerlich ausgelastet werden. Klar ist, dass vor allem die Fiskalimpulse für optisch ansprechende Wachstumsraten sorgen. Ohne wachstumsfördernde Investitionen werden diese kaum über 2027 hinaus halten."

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