Unsicherheit nach Brasilien-Wahl vergrault Anleger
London/Frankfurt, 26. Okt (Reuters) - Der Sieg von Luiz Inacio Lula da Silva bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat einen Ausverkauf bei brasilianischen Aktien ausgelöst. Ein wichtiger börsengehandelter Fonds (ETF), der iShares MSCI Brazil ETFEWZ.P, verlor am Montag rund 25 Prozent. Im vorbörslichen Handel an der Wall Street brachen die US-notierten Titel des brasilianischen Ölkonzerns Petrobras sowie der Großbanken Unibanco und der Banco Bradesco um 20 bis 25 Prozent ein. Laut Experten hatten Anleger gehofft, dass eine Bolsonaro-Regierung rasch eine umfassende Sanierung der Staatsfinanzen einleiten würde. Analysten der LBBW verwiesen zudem auf die politische Unsicherheit, da Bolsonaro seine Niederlage nicht anerkennt und eine Annullierung der Wahl fordert.
Wie die brasilianische Wahlbehörde am Sonntag (Ortszeit) mitteilte, besiegte der linke Amtsinhaber Lula seinen Herausforderer. Der 80-jährige Lula tritt damit seine vierte Amtszeit an. "Neben dem chaotischen Ende des Wahltags ist Lulas Sieg an sich bereits eine Überraschung: Die jüngsten Umfragen waren äußerst knapp, doch auf Prognoseplattformen lag Senator Flavio Bolsonaro klar vorne", sagte Thierry Larose, Portfoliomanager bei der Privatbank Vontobel.
Auch am Devisenmarkt rechnen Händler mit Turbulenzen. Der Kurs des Dollar zum brasilianischen Real, der vor dem ersten Wahlgang über 5,20 gelegen hatte, dürfte demnach stark ansteigen. Der brasilianische Real war zuletzt eine beliebte Währung für sogenannte Carry Trades. Dabei leihen sich Anleger Geld in Währungen mit niedrigen Zinsen, um es in höher verzinsten Anlagen wie dem Real zu investieren. Diese Strategie war bereits durch einen Ausverkauf beim mexikanischen Peso unter Druck geraten. Händler sagten, bei einem Anstieg des Dollar-Kurses über die Marke von 5,25 Real sei ein "Short Squeeze" wahrscheinlich, der sich über 5,33 Real noch verstärken könnte. Der Vontobel-Experte Larose zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Wir sind der Ansicht, dass auch eine Lula-Regierung nicht umhinkommen wird, zumindest gewisse Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu ergreifen."