Steigende Kerosinkosten belasten Lufthansa noch stärker
Frankfurt, 29. Sep (Reuters) - Die LufthansaLHAG.DE erwartet wegen des anhaltend hohen Ölpreises eine höhere Belastung in diesem Jahr als bisher. Inzwischen wäre die Airline-Gruppe froh, wenn es bei den zuletzt angenommenen Zusatzkosten von 1,5 Milliarden Euro bliebe, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einem Pressegespräch am Montagabend. "Die Zahl wird höher sein, die wir am Jahresende ... auszuweisen haben." Wie hoch die Kerosinrechnung ausfallen wird, bezifferte er nicht. Nach dem ersten Halbjahr hatte der MDax-Konzern mit 8,66 Milliarden Euro im Gesamtjahr gerechnet, ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Finanzzahlen seien Grund zur Sorge, auch wenn die im Sommer gesenkte Gewinnprognose werde eingehalten können, erklärte der Vorstandschef. Lufthansa konnte die höheren Kerosinkosten zum Teil über Termingeschäfte und gestiegene Ticketpreise auffangen und erzielte Einsparungen, etwa durch das Sanierungsprogramm der Kernmarke Lufthansa Airline. Spohr bekräftigte die Prognose eines operativen Gewinns von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro nach 2,0 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
"Die Nachfrage, gerade im Premiumsegment, ist erstaunlich robust für diese Preissteigerung", sagte er. Geopolitische Risiken und Kriege führten sonst zu Zurückhaltung bei Reisen, das sei derzeit nicht zu beobachten. "Wir haben einen Premium-Boom, der uns als Lufthansa relativ mehr hilft als vielen unserer Wettbewerber." Anders als früher seien die höchsten Buchungsklassen derzeit schneller gefüllt als die günstigste Kategorie Economy. Jetzt zahlten sich die Erneuerung der Flotte und die Modernisierung der Flugzeugausstattung mit dem Designprogramm Allegris aus. Bis Jahresende sei bei Lufthansa Classic jedes zweite Flugzeug damit ausgerüstet.
KEINE TRENDWENDE BEI ÖL
Öl hat sich durch den Krieg der USA gegen Iran seit Ende Februar um 40 bis 50 Prozent auf Preise über 100 Dollar je Fass verteuert, weil die Lieferungen aus den Golfstaaten weitgehend ausfallen. Einen Teil der Kostenexplosion kann die Lufthansa über Terminsicherungsgeschäfte abfangen. Treibstoffkosten sind nach Personalausgaben der zweitgrößte Kostenblock einer Fluggesellschaft mit einem Anteil von rund einem Viertel. Spohr geht von einem anhaltend hohen Preis auch im kommenden Jahr aus. Deshalb werde auch 2027 ein Übergangsjahr für die Lufthansa auf dem Weg zu ihrem Renditeziel von acht bis zehn Prozent sein.
Aufgrund der hohen Kosten kommen kleinere Fluggesellschaften in wirtschaftliche Schwierigkeiten. So musste etwa die lettische staatliche Fluggesellschaft AirBaltic, an der die Lufthansa zehn Prozent hält, Gläubigerschutz nach US-Recht beantragen. Sie wird nicht vom Markt verschwinden, aber schrumpfen.
Die Konsolidierung in der Branche gehe aufgrund des Kostendrucks weiter, erklärte Spohr. "Die Starken werden stärker, die Schwachen werden entweder schwächer oder haben sogar substanzielle Probleme." Das sei von Vorteil für die großen Marktakteure - also die Lufthansa-Gruppe, Air France-KLM, die British-Airways-Mutter IAG oder Ryanair.