RWE und LEAG sichern sich Milliardenförderung für neue Gaskraftwerke

Von Reuters News

- von Holger Hansen

- Die Energiekonzerne RWE und LEAG sind die großen Gewinner der ersten Ausschreibung für neue Kraftwerke zur Absicherung der Stromversorgung in Deutschland. Die Bundesnetzagentur vergab am Dienstag elf Zuschläge über insgesamt rund 5160 Megawatt anrechenbare Leistung. Zehn davon gingen an RWE und den ostdeutsche Braunkohlekonzern LEAG einschließlich einer LEAG-Tochter. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von einem großen Erfolg. RWE und LEAG kündigten Milliardeninvestitionen an. Die neuen Gaskraftwerke sollen ab November 2031 einspringen, wenn Wind und Sonne nicht genügend Strom liefern. Dafür erhalten die Betreiber 15 Jahre lang Fördergelder von rechnerisch rund zwölf Milliarden Euro. Die Kosten sollen letztlich die Stromkunden tragen.

Die erste Ausschreibung war mit 41 Geboten über knapp 12.000 Megawatt fast dreifach überzeichnet. Die Zuschläge überstiegen die ursprünglich ausgeschriebenen 4500 Megawatt, weil das letzte erfolgreiche Gebot vollständig berücksichtigt wurde. Batteriespeicher hatten ebenfalls geboten, konnten sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums aber nicht durchsetzen.


RWE UND LEAG INVESTIEREN MILLIARDEN

Der durchschnittliche Förderpreis lag mit 155.296 Euro je Megawatt und Jahr deutlich unter dem vorgegebenen Höchstwert von 244.000 Euro. Daraus ergeben sich nach Reuters-Berechnungen jährlich rund 800 Millionen Euro und über 15 Jahre etwa zwölf Milliarden Euro. Mögliche Rückzahlungen bei hohen Strompreisen können die Nettokosten verringern. Netzagentur-Präsident Klaus Müller sprach von einem wichtigen Schritt für eine kosteneffiziente Absicherung der Stromversorgung. Reiche erklärte: "Damit sichern wir den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und den Kohleausstieg ab."

RWE erhielt drei Zuschläge für neue wasserstofffähige Gaskraftwerke in Voerde, Weisweiler und Werne mit rund 2100 Megawatt anrechenbarer Leistung. Konzernchef Markus Krebber kündigte den Baubeginn für die erste Anlage bereits in wenigen Wochen an. LEAG erhielt einschließlich ihrer Tochter in Leipheim sieben Zuschläge für insgesamt knapp 3000 Megawatt anrechenbarer Leistung, was 3680 Megawatt installierter Leistung entspreche.

Sechs Kraftwerksblöcke sollen an bisherigen LEAG-Braunkohlestandorten in Jänschwalde und Boxberg entstehen. Das zum Firmenimperium des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky gehörende Unternehmen will 1,5 bis zwei Milliarden Euro investieren. Konzernchef Adi Roesch verwies auf Kostenvorteile durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur.


KRITIK AN FÖRDERUNG VON "KOHLEKONZERNEN"

Kritik kam von Grünen und Umweltschützern. "Die Ergebnisse schaffen enorme Marktmacht für die alten Kohlekonzerne RWE und LEAG", sagte Grünen-Politiker Michael Kellner Reuters. Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte die Benachteiligung von Batteriespeichern. "Von fairem Wettbewerb verschiedener Technologien und Akteure kann keine Rede sein", erklärte DUH-Chef Sascha Müller-Kraenner. Der bei der Ausschreibung leer ausgegangene Energiekonzern Uniper kündigte an, seine Kraftwerksprojekte weiterzuentwickeln und an künftigen Ausschreibungen teilnehmen zu wollen.

Mit der Kraftwerksstrategie will die Bundesregierung zusätzliche Anlagen fördern, die mindestens zehn Stunden Strom liefern können. Diese Vorgabe begünstigt Gaskraftwerke gegenüber Batteriespeichern. Die neuen Gaskraftwerke müssen wasserstofffähig sein und ab 2046 klimaneutral betrieben werden. Eine zweite Ausschreibung soll am 10. November starten, gefolgt von weiteren 2000 Megawatt im Mai 2027 ohne Zehn-Stunden-Regel. Die EU-Kommission schätzt die Gesamtkosten des Fördermechanismus auf 15,6 bis 35,2 Milliarden Euro bis 2045. Finanziert werden soll dies ab 2031 über eine Umlage auf den Stromverbrauch.

Capital Com ist ein reiner Ausführungsdienstleister. Das gegenwärtige Material ist als Marketingkommunikation zu betrachten und sollte nicht als Anlageanalyse oder Anlageberatung interpretiert werden. Jede auf dieser Seite abgegebene Meinung stellt keine Empfehlung von Capital Com oder seinen Vertretern dar. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der auf dieser Seite bereitgestellten Informationen übernehmen wir keine Zusicherung oder Gewähr. Wenn Sie sich auf die Informationen dieser Seite verlassen, tun Sie dies vollständig auf Ihr eigenes Risiko