PLATOW Emerging Markets - Streaming-Plattform iQiyi senkt die Kosten – KI eröffnet neue Wachstumschancen
Umsatz runter, weiterhin rote Zahlen: Auf den ersten Blick enttäuscht iQiyi. Doch hinter den Kulissen tut sich einiges. Kosten sinken, Cashflows steigen und neue Geschäftsfelder gewinnen an Fahrt. Auch der konsequente KI-Einsatz zahlt sich zunehmend aus. Zeichnet sich eine Wende ab?>
Auf den ersten Blick sehen die jüngsten Zahlen von iQiyi alles andere als berauschend aus. Der Umsatz sank im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 5% auf 6,29 Mrd. Renminbi (RMB; rund 750 Mio. Euro). Sowohl Mitgliedsbeiträge als auch Werbeerlöse gingen um 2% zurück. Unter dem Strich stand erneut ein Verlust. Die Erwartungen wurden damit verfehlt.
Operativ geht es aufwärts Bei genauerem Hinsehen hatten die Zahlen jedoch auch Positives zu bieten. Gegenüber dem ersten Quartal legte der Umsatz um 1% zu, während sich der bereinigte operative Verlust um 80% auf 30,3 Mio. RMB verringerte. Gleichzeitig stieg der operative Cashflow von 186,4 auf 339,6 Mio. RMB. Der freie Cashflow drehte gegenüber dem Vorjahr sogar von minus 34,1 auf plus 319,6 Mio. RMB.
Dazu beigetragen haben konsequente Effizienzmaßnahmen. Allein die Vertriebs- und Verwaltungskosten sanken um 22%.
Erfreulich entwickelt sich zudem das Geschäft abseits der klassischen Abonnements. Die Erlöse aus der Content-Distribution kletterten um 56%, die internationalen Mitgliedseinnahmen um 40%. Besonders dynamisch lief es in Brasilien (+215%) und Mexiko (+150%). Bei Kurzdramen erreichte iQiyi im Juni außerdem erstmals die Marktführerschaft. Die Schwäche im Kerngeschäft kann damit zwar noch nicht vollständig aufgefangen werden, die Richtung stimmt aber.
KI als Wachstumstreiber Große Hoffnungen setzt Konzernchef Yu Gong auf Künstliche Intelligenz. Sie soll Produktionskosten senken und neue Inhalte ermöglichen. Mehr als die Hälfte des Micro-Drama-Portfolios basiert bereits auf KI-generierten Inhalten.
Für Nachschub ist ebenfalls gesorgt: Auf der iJOY-Herbstkonferenz präsentierte iQiyi mehr als 350 neue Produktionen für 2026 und 2027, darunter über 40 Langform-Serien. Offenbar zahlt sich der neue Ansatz zunehmend aus: Zwei bereits veröffentlichte AIGC-Filme spielten ihre Produktionskosten innerhalb der ersten Woche wieder ein.
Das Blatt könnte sich wenden Auch die Aktie (0,88 Euro; US46267X1081) sendet nach dem Ausverkauf Ende August/Anfang September wieder Lebenszeichen. Vom Tief hat sich das Papier bereits um 17% erholt. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von deutlich unter eins ist viel Skepsis eingepreist.
Gelingt es iQiyi, die Fortschritte bei Cashflow und Effizienz fortzusetzen und die neuen Wachstumsfelder auszubauen, besteht Neubewertungspotenzial.
PEM-Leser bringen sich bei iQiyi mit Stopp bei 0,68 Euro in Stellung.