PLATOW Emerging Markets - Mehr Gaming, weniger Streaming: Huya stellt sich breiter auf

Von Platow Brief

Die Fortschritte beim Konzernumbau zeigen, dass der Gaming- und Streaminganbieter durchaus auf dem richtigen Weg ist. Der Aktienkurs signalisiert jedoch, dass der Markt dem neuen Kurs kein uneingeschränktes Vertrauen schenkt. Noch wiegen an der Börse die Risiken schwerer.>

Huya kommt beim Konzernumbau weiter voran. Der Gaming- und Streaminganbieter steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal bereits zum sechsten Mal in Folge, diesmal um 11% auf 1,74 Mrd. Renminbi (RMB; rund 232 Mio. Euro). Als Zugpferd erwies sich wieder einmal das Geschäft abseits des klassischen Live-Streamings. Die Erlöse mit Gaming-Dienstleistungen, Werbung & Co. schossen um 54% auf 638 Mio. RMB nach oben. Sie stehen damit inzwischen für 37% der Konzerneinnahmen. Das Live-Streaming-Geschäft schrumpfte dagegen weiter.

Transformation zeigt Wirkung Gute Nachrichten auch zur Profitabilität: Der Bruttogewinn kletterte um 20% auf 255 Mio. RMB, die Marge verbesserte sich entsprechend von 13,5 auf 14,7%. Das bereinigte Betriebsergebnis erreichte 16,2 Mio. RMB nach 0,4 Mio. im Vorjahr. Dennoch geriet die Aktie (2,32 Dollar; US44852D1081) unter Druck. Inzwischen ist sie sogar unter unser Stopp-Limit bei 2,20 Dollar gefallen. Die operative Entwicklung stimmt zwar, Analysten hatten sich aber mehr erhofft. Beim ausgewiesenen Ergebnis je ADS standen wegen deutlich geringerer Zinserträge lediglich 0,01 Dollar zu Buche, erwartet worden waren 0,23 Dollar. Auch der Umsatz verfehlte die Schätzungen leicht.

Noch kein Vertrauen in die neuen Wachstumstreiber Dass die Aktie weiter links liegen gelassen wird, zeigt zudem: Der Markt begegnet den neuen Wachstumstreibern derzeit noch mit einer gehörigen Portion Skepsis. Dabei gibt es durchaus gute Argumente, die für den eingeschlagenen Kurs sprechen. Huya baut sein margenstärkeres Publishing-Geschäft weiter aus. Goose Goose Duck kehrte Ende Juli sogar auf Platz 1 der kostenlosen iOS-Spiele in China zurück. Weitere Publishing-Titel sind bereits in der Pipeline. Zudem setzt der Konzern verstärkt auf KI. Das selbst entwickelte VAM-Modell soll virtuelle Moderatoren in Echtzeit erzeugen und langfristig die Content-Kosten senken.

Noch wiegen an der Börse allerdings die Risiken schwerer: Das Live-Streaming steht unter Druck, der Wettbewerb verschärft sich und im Publishing hängt der Erfolg stark von einzelnen Spieletiteln ab. Selbst das auf 100 Mio. Dollar verdoppelte Aktienrückkaufprogramm konnte die Anleger bislang nicht überzeugen. Wir stufen Huya nach Auslösen des Stopps daher vorerst auf Beobachten ab.

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