PLATOW Emerging Markets - Canon – Weltmarktführer mit unübersehbaren Schwächen
Eigentlich müsste es für Canon als Weltmarktführer für Kameras und stark im Druckergeschäft gut laufen, doch die Realität sieht anders aus. Die Medizintechnik und die Industrie-Sparte belasten.>
Seit fast 90 Jahren ist Canon für Kameras, Drucker, Scanner sowie medizinische und industrielle Bildgebungslösungen bekannt. Doch der Konzern tritt eher auf der Stelle, als sich mit neuen Feldern wie Satellitenentwicklung oder Astronomie entscheidend weiterzuentwickeln. Dass Canon seit Jahren kein Technologieführer mehr ist, zeigt sich aus unserer Sicht auch am schwachen Umsatzwachstum von nur 2,0% p. a. über zehn Jahre und an der seit 2011 unter 10% stagnierenden operativen Marge.
Umsatz- und Kostendruck spürbar Vor diesem Hintergrund fiel das jüngste Q3 trotz der vom Unternehmen genannten Belastungen – chinesische Konsumflaute, Nahost-Konflikt und steigende Speicherchippreise – mit einem Umsatzplus von 4,9% auf 1,2 Bio. Yen (rd. 6,6 Mrd. Euro) gar nicht schlecht aus.
Während Kamera- (Umsatzanteil: 54%) und Druckergeschäft (25%) gut liefen, gingen bei medizinischen Geräten (12%) und Industrielösungen (6%) sowohl Umsatz als auch Ergebnis zurück. Insgesamt stieg der operative Gewinn dennoch um 10,3% auf 97,1 Mrd. Yen, die Marge erreichte 8,4%. Da die genannten Belastungen anhalten, wurden die Jahresziele allerdings leicht gesenkt.
Drohendes Enttäuschungspotenzial Ambitioniert erscheint uns der Plan für die kommenden fünf Jahre. Mit neuen Produkten, einem von 10 auf 15% steigenden Umsatzanteil in den Emerging Markets und einer schlankeren Produktion (-30% Personal, -40% Produktionsfläche) will Canon wieder stärker wachsen.
Bis 2030 sollen die Erlöse auf mindestens 5,6 Bio. Yen steigen, die operative Marge auf wenigstens 15% und die Eigenkapitalrendite (ROE) auf 15%. Der Marktkonsens traut Canon dagegen nur 5,2 Bio. Yen Umsatz, eine Marge von 10,8% und einen ROE von 11,3% zu. Damit birgt die Aktie (26,16 Euro; JP3242800005) Enttäuschungspotenzial.
In den vergangenen zwei Jahren bewegte sich das Papier unter Schwankungen nur seitwärts. Wir wurden am 23.4. mit einer Gesamtrendite von 19,5% ausgestoppt. Die aktuelle Bewertung sendet unterschiedliche Signale. Das 2027er-KGV liegt mit 12 am unteren Ende der historischen Spanne (10J.: 19; Spanne: 12 bis 31) und wirkt damit attraktiv.
Dagegen spricht der eingetrübte Marktkonsens mit einem erwarteten Gewinnwachstum von nur 9% p. a. bis 2030 eher gegen einen Einstieg. Ähnlich sieht es bei der Kapitalrendite (ROCE) aus, die in naher Zukunft auf 6,5% sinken dürfte und damit unter dem Zehnjahresschnitt von 7,3% läge. Immerhin bleibt der ROCE noch über den Kapitalkosten von 5,2%, womit Canon weiterhin Wert schafft.
Uns weist Canon derzeit zu viele operative Schwächen auf. Wir meiden die Aktie.