PLATOW Emerging Markets - Bilibili: Die Zahlen stimmen, der Kurs nicht
Mehr Gewinn, höhere Margen und ein starkes Werbegeschäft – trotzdem fällt die Aktie. Bei der chinesischen Entertainmentplattform laufen operative Entwicklung und Börsenkurs derzeit deutlich auseinander. Warum wir an der Investmentstory dennoch festhalten.>
Neues Quartal, gleiches Bild: Bilibili wächst langsamer, verdient aber deutlich mehr. Bei einem Umsatzplus von 8% auf 7,94 Mrd. Renminbi (RMB; rund 950 Mio. Euro) stieg der Non-GAAP-Betriebsgewinn um 21% auf 696,2 Mio. RMB. Der bereinigte Nettogewinn legte um 25% auf 703,6 Mio. RMB zu. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen.
Werbung bleibt der Wachstumsmotor Treiber war erneut das Werbegeschäft. Die Erlöse stiegen um 28% auf 3,13 Mrd. RMB. Damit wächst die Sparte bereits das 14. Quartal in Folge um mindestens 20%. Die KI-basierten Umsätze haben sich sogar mehr als verdoppelt. Die Mehrwertdienste legten um 5% auf 2,97 Mrd. RMB zu, während das Gaming-Geschäft wegen einer hohen Vergleichsbasis um 14% schrumpfte.
Besonders positiv entwickelt sich die Profitabilität. Die Bruttomarge verbesserte sich das 16. Quartal in Folge und erreichte mit 37,2% einen neuen Höchststand. Gleichzeitig wächst die Plattform weiter: Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg um 7% auf 116,5 Mio., die durchschnittliche Nutzungsdauer von 105 auf 113 Minuten.
Die Strategie greift: Mit hochwertigeren Inhalten und dem verstärkten Einsatz von KI will Bilibili Engagement und Monetarisierung weiter steigern. Mittelfristig hält das Management eine Bruttomarge von 40 bis 45% für erreichbar.
An der Börse kommt davon bislang wenig an. Die Aktie der Entertainmentplattform (12,25 Euro; US0900401060) befindet sich weiter auf dem Rückzug und unterschritt zuletzt sogar unseren Stopp bei 13,20 Euro. Belastend wirken neben der schwächeren Umsatzdynamik das schwierige chinesische Konsumumfeld, regulatorische Risiken und Zweifel, ob das hohe Wachstum im Werbegeschäft anhält.
Fundamental bleibt die Story intakt An unserer langfristigen Einschätzung hat sich dadurch wenig geändert. Entscheidend ist weniger das kurzfristige Umsatztempo als Bilibilis Fähigkeit, seine junge und hochaktive Nutzerschaft immer besser zu monetarisieren. Im Vergleich mit Plattformen wie Douyin und Kuaishou besteht hier noch erhebliches Aufholpotenzial – und damit Spielraum für weiteres Gewinnwachstum.
Vertrauen signalisiert zudem Tencent: Der Internetriese zeichnet 200 Mio. Dollar einer neuen Bilibili-Wandelanleihe im Gesamtvolumen von 700 Mio. Dollar. Die Mittel sollen unter anderem in KI-Initiativen und Aktienrückkäufe fließen.
Auch die Qualität des Werbegeschäfts überzeugt. Bilibili setzt zunehmend auf messbare Kaufabschlüsse statt bloßer Reichweite und kommt damit im schwachen Konsumumfeld bislang besser zurecht als mancher Wettbewerber.
Fundamental bleibt Bilibili damit interessant. Gegen einen sofortigen Wiedereinstieg spricht derzeit vor allem die Charttechnik. Nach dem Bruch wichtiger Unterstützungen drängt sich trotz des inzwischen optisch attraktiven Kursniveaus noch kein neuer Einstieg auf.
Wir stufen Bilibili vorerst auf Beobachten.