PLATOW Börse - Q3-Preview Fresenius Medical Care: Neuer Chef, alte Baustellen

Von Platow Brief

Fresenius Medical Care dürfte im dritten Quartal knapp 10% weniger operativ verdienen. Wegfallende Medicare-Zusatzvergütungen drücken das Ergebnis, das US-Geschäft stagniert.>

Wenn Fresenius Medical Care (FMC) am 3.11. die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt, spricht erstmals der neue Chef Shervin Korangy. Er ist erst seit dem 12.10. im Amt, das Quartal fällt noch in die Amtszeit seiner Vorgängerin Helen Giza. Wir gehen davon aus, dass Korangy reinen Tisch macht und möglichst viele Belastungen in diesen Bericht packt. Sonderkosten für den Rückzug aus Teilen des China-Geschäfts sind bereits angekündigt.

Beim Umsatz rechnen die Analysten mit anhaltender Stagnation. Das liegt zum Teil an einem Bilanzierungseffekt im ohnehin volatilen Segment Value-Based Care: FMC hat dort einen großen Vertrag umgestellt und verbucht deshalb weniger Erlöse. Bedenklicher ist, dass das US-Dialysegeschäft weiterhin nicht nennenswert wächst. Die Zahl der Behandlungen in bestehenden Kliniken dürfte erneut gesunken sein. Lichtblick bleibt das Produktgeschäft Care Enablement, das vom neuen Dialysegerät 5008X profitiert.

 

 

Beim bereinigten operativen Ergebnis (EBIT) erwarten die Analysten ein Minus von knapp 10%. Bereinigt wird unter anderem um die Kosten für das Sparprogramm FME25+. Das sind allein 2026 rund 350 Mio. Euro. Gegenwind kommt vor allem von befristeten Zusatzvergütungen der US-Krankenversicherung Medicare für neue Medikamente (TDAPA). Sie haben das Ergebnis 2025 aufgebläht und erhöhen die Vergleichsbasis, während sie jetzt schrittweise auslaufen. Erfreulich: Trotzdem liegen die operativen Segmente in der Summe sogar im Plus. Das Konzernergebnis drücken vor allem Kosten für die IT-Umstellung in der Zentrale.

Jahresziel nur noch knapp in Reichweite Wir befürchten, dass FMC die Jahresprognose nur noch im unteren Bereich erfüllen wird. Der Konzern peilt für 2026 währungsbereinigt eine EBIT-Veränderung zwischen einem Minus und einem Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich an. Der Analystenkonsens für das berichtete EBIT liegt bei -6,9%, bei einem Währungseffekt von 3 bis 4%. Währungsbereinigt ergibt das einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Für das vierte Quartal implizieren die Schätzungen einen nochmals kräftigen EBIT-Rückgang auf rund 505 nach 705 Mio. Euro. Dann schlägt der TDAPA-Wegfall am stärksten durch.

Etwas Rückenwind für 2027 kommt aus Washington. Die US-Gesundheitsbehörde CMS hat die endgültigen Dialysevergütungssätze für das kommende Jahr festgelegt. Für große Anbieter wie FMC steigen die Erstattungen um 3,5%, im Entwurf waren es noch knapp 2%. Den Großteil davon (3,1 Prozentpunkte) machen allerdings Übergangszuschläge für Medikamente aus, deren TDAPA-Vergütung ausgelaufen ist. Sie werden quartalsweise neu berechnet und dürften im Jahresverlauf sinken. Dennoch: Der Wegfall der TDAPA-Zuschläge wird 2027 teilweise abgefedert.

An der günstigen Bewertung ändern die gedämpften Erwartungen für das Schlussquartal wenig. Die Gewinnschätzungen je Aktie sind seit Jahresbeginn um rund 3% gestiegen. Die Talsohle war im Mai nach den enttäuschenden Zahlen zum ersten Quartal erreicht. Mit dem 9,6-Fachen der erwarteten Gewinne kostet die DAX-Aktie (40,53 Euro; DE0005785802) deutlich weniger als im Zehnjahresschnitt (14,5-Fache). Schwächere Zahlen dürften weitgehend eingepreist sein. Die beiden Vorquartale zeigen aber: Nach der Zahlenvorlage sind kurzfristige Rückschläge möglich.

Gegen weitere Käufe sprechen vorerst die wackelnde Prognose und das sich abzeichnende schwache vierte Quartal. Der langfristige Investment Case bleibt aber intakt. Wir stufen unseren Musterdepotwert Fresenius Medical Care daher auf Halten ab, der Stopp bleibt bei 34,50 Euro.

Capital Com ist ein reiner Ausführungsdienstleister. Das gegenwärtige Material ist als Marketingkommunikation zu betrachten und sollte nicht als Anlageanalyse oder Anlageberatung interpretiert werden. Jede auf dieser Seite abgegebene Meinung stellt keine Empfehlung von Capital Com oder seinen Vertretern dar. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der auf dieser Seite bereitgestellten Informationen übernehmen wir keine Zusicherung oder Gewähr. Wenn Sie sich auf die Informationen dieser Seite verlassen, tun Sie dies vollständig auf Ihr eigenes Risiko