PLATOW Börse - Q3-Preview Deutsche Börse: Rückenwind vom Zinsgewitter

Von Platow Brief

Die Eurex erlebt einen Ansturm auf Zinsderivate, die Aktie der Deutschen Börse notiert auf Rekordniveau. Bei den Q3-Zahlen zählt, wie viel davon im Ergebnis ankommt, ob die Software liefert und die Jahresziele steigen.>

Wenn die Märkte nervös werden, verdient die Deutsche Börse. Deshalb notiert die Aktie unseres Musterdepotwerts (306,70 Euro; DE0005810055) auf Rekordniveau, obwohl der Gesamtmarkt schwächelt. Angesichts weltweit steigender Anleiherenditen sicherten sich Investoren in großem Stil ab. An der Eurex sprangen die Zinsderivate im September um 61% gegenüber Vorjahr auf 168,2 Mio. Kontrakte. Mehr waren seit 2008 nur im März gehandelt worden, als Iran-Krieg und Ölpreis die Märkte aufschreckten. Im OTC-Clearing stieg das ausstehende Volumen bei Overnight Index Swaps um 76% auf 10.700 Mrd. Euro. Mit diesen Swaps sichern sich Banken und Fonds gegen Zinsüberraschungen ab. Das entspricht knapp einem Fünftel des gesamten OTC-Bestands.

Entsprechend hoch liegt die Latte für die Q3-Zahlen in der kommenden Woche (20.10.). Die 14 von der Börse befragten Analysten erwarten 11% höhere Nettoerlöse, ohne Zinsergebnis (Treasury) knapp 13%. Treiber ist Trading & Clearing mit fast 16% (ex Treasury). Dass die Erlöse langsamer wachsen als die Kontrakte (+27%), liegt am Mix: Viel vom Plus entfällt auf Zins-Futures. Sie bringen je Kontrakt weniger ein als Index- oder Aktienoptionen.

Spannender ist, was davon im Ergebnis ankommt. Das EBITDA soll um 13% auf 954 Mio. Euro zulegen. Dabei bleibt der Beitrag aus dem Treasury-Geschäft, also den Zinserträgen auf hinterlegte Sicherheiten, mit 205 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau (203 Mio. Euro). Der erwartete Anstieg beim EBITDA kommt also fast ausschließlich aus dem operativen Geschäft. Dort sind die Kosten weitgehend fix, vom zusätzlichen Erlös fließen daher rund 70% ins Ergebnis. Das Wachstum ist damit von bester Qualität: Es stammt aus dem Kerngeschäft und nicht aus Zinserträgen.

Fix heißt aber nicht konstant: Die Kosten steigen mit 6,6% durchaus kräftig, auch weil der Kurshöhenflug die aktienbasierten Mitarbeiterprogramme verteuert. Gegenüber dem Q2 (644 Mio. Euro) bleiben sie aber stabil, das Vorjahresquartal war ein niedriger Vergleichswert. Für 2026 erwartet der Konsens gut 4% Kostenwachstum. Das passt zu den organisch rund 3% höheren Kosten, die sich die Börse vorgenommen hat. Den Rest erklären Zukäufe und Wechselkurse. Die EBITDA-Marge dürfte mit 59,7% über dem Vorjahr (58,5%) liegen und die 60%-Marke nur knapp verfehlen. Dass sie unter den Werten des ersten Halbjahres bleibt, ist saisonal üblich.

Die eigentliche Bewährungsprobe wartet bei Investment Management Solutions (IMS). Im Q2 enttäuschte das Segment um Simcorp und ISS Stoxx mit nur 3,9% Erlöswachstum. Das Management verwies dabei auf Projekte, die sich ins Q3 verschoben haben. Der Konsens sieht nun 6% Wachstum, getragen allein von der Software (+11%). ESG & Index stagniert. Kommt der Nachholeffekt, müsste die Marge von 30,6% im Q2 wieder Richtung Q3 aus dem Vorjahr (37,3%) laufen.

Nach dem Q2 hatte Finanzchef Jens Schulte nur nachgeschärft: Statt „rund” erwartet er seither „mehr als” 6,4 Mrd. Euro Nettoerlöse und 3,8 Mrd. Euro EBITDA für 2026. Die Analysten sind mit 6,59 bzw. 3,96 Mrd. Euro längst weiter. Der Markt rechnet also mit einer Anhebung. Ein neues Ziel unter 6,5 bzw. 3,9 Mrd. Euro dürfte enttäuschen.

Im Musterdepot führen wir die Aktie als Core Investment ohne Stopp. Neulesern raten wir, bei der Deutschen Börse nach dem Rekordlauf einen günstigeren Einstieg abzuwarten. Bereits investierte Leser halten ihre Bestände.

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