PLATOW Börse - Konjunkturwende beflügelt Dividenden: DAX & Co. steuern 2026 auf Rekord zu

Von Platow Brief

Deutschlands Konjunktur hellt sich auf, und die Dividenden ziehen mit: Die 170 Unternehmen der DAX-Familie dürften ihre Ausschüttungssumme 2026 auf einen Rekordwert steigern. Doch nicht überall läuft es rund.>

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute trauen der deutschen Wirtschaft für 2026 plötzlich deutlich mehr zu. Sie heben ihre BIP-Prognose gegenüber dem Frühjahr von 0,6% auf 1,3% an, mehr als eine Verdopplung, berichtet das „Handelsblatt“. Offiziell stellen die Institute die Gemeinschaftsdiagnose kommende Woche vor. Als Treiber gelten nachlassende geopolitische Risiken sowie erwartete Impulse aus Rüstungs- und Infrastrukturausgaben. Nimmt die Wirtschaft Fahrt auf, dürften auch Unternehmen mehr verdienen und Anleger daran teilhaben.

Hohe Gewinne sichern steigende Dividenden Für die 40 DAX-Konzerne lief das erste Halbjahr bereits gut: Die Gewinne liegen fast 14% über dem Vorjahr. Die Folge: Auch bei den Dividenden zeichnet sich ein Rekord ab. Analysten rechnen laut Refinitiv-Schätzungen mit einer DAX-Ausschüttung von 57,0 Mrd. Euro für 2026, ein Plus von 7,0%. Der MDAX legt demnach um 8,3% auf 7,7 Mrd. Euro zu, der SDAX um fast ein Fünftel auf 1,9 Mrd. Euro. Zusammen kehren die 170 Unternehmen geschätzt 66,6 Mrd. Euro aus, ein Plus von 7,4%. Im DAX erhöhen 32 der 40 Konzerne ihre Dividende, nur 7 kürzen. Am stärksten bremsen BMW (-35% auf 1,6 Mrd. Euro) und Mercedes-Benz (-10% auf rund 3,0 Mrd. Euro). Zalando ist der einzige DAX-Titel ohne Dividendenzahlung.

 

 

Zu Jahresbeginn rechneten Experten noch mit einer schnelleren, breiteren Erholung. Entsprechend optimistisch fielen ihre Gewinn- und Dividendenschätzungen aus. Dann bremste der Nahost-Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Konjunktur, weil die Energiepreise stiegen. Es traf dabei vor allem konjunktursensible Branchen wie die Chemie. MDAX und SDAX sind stärker im Inland verwurzelt – ihre Dividendenhoffnungen schmolzen deutlicher. Die Schätzungen sackten seit Jahresbeginn um 7,3% beziehungsweise 9,2% ab, der DAX blieb mit -0,7% fast stabil.

Auf Branchenebene zeigen sich klare Muster. Analysten stuften Autobauer und -zulieferer (-15,1%), zyklische Konsumwerte (-19,9%) und die Chemiebranche (-7,8%) gleichermaßen deutlich zurück. Nach oben korrigierten sie dagegen die Erwartungen für Energieversorger und Erneuerbare (+23,6%, vor allem Siemens Energy) sowie für Banken und Finanzdienstleister (+7,2%, Commerzbank, DWS).

 

 

Zunächst belastete der Nahost-Konflikt die Stimmung. Dann kam die KI-Fantasie und spielte zunächst vor allem US-Werten mit hohem Technologieanteil in die Karten. Als die Euphorie vielen Anlegern zu viel wurde, suchten sie nach weiteren Nutznießern abseits der reinen Technologiekonzerne. Fündig wurden sie in Deutschland: bei Energieversorgern, Software- und Cybersecurity-Anbietern sowie Industriewerten mit KI-Bezug. Die Konjunkturerwartungen stabilisierten sich.

Es dreht sich etwas – aber nicht überall In den vergangenen zwei Monaten drehten die Dividendenschätzungen für 2026 daher wieder leicht nach oben, vom Tief im August bei rund 66,4 Mrd. auf aktuell knapp 66,6 Mrd. Euro. Vorneweg liegt erneut die Energiebranche (+4,2% seit Juli). Auch einzelne Technologiewerte wie Softwareanbieter Teamviewer, Solartechnik-Ausrüster SMA Solar Technology und der Chemiewert Wacker Chemie drehten wieder auf. Die Autobranche dagegen rutscht weiter ab: Bei Porsche Holding und VW kappten Analysten ihre Schätzungen zuletzt erneut.

In den Schlussmonaten dürften vor allem Rüstung, KI-Infrastruktur und energienahe Werte von den Sonderkonjunkturen profitieren, dazu Nachzügler mit Turnaround-Fantasie wie unsere beiden Musterdepotwerte Siemens Energy und Indus Holding. Anleger sollten im Herbst vor allem auf die Zahlen der zyklischen Branchen für das dritte Quartal achten. Bestätigen sie die von den Instituten erwartete Konjunkturerholung, dürfte die Dividendenrallye erst richtig Fahrt aufnehmen.

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