PLATOW Börse - Kion kappt Prognose per Ad-hoc - Wo der faire Wert der Aktie jetzt liegt

Von Platow Brief

Der Intralogistiker kassiert seine Jahresziele und verschiebt die Margenziele über 2027 hinaus. Am ersten Tag reagierte die Börse gelassen, doch mit den sinkenden Analystenschätzungen gab auch die Aktie nach. Was das nun für Anleger heißt.>

Erst vor wenigen Tagen hatten wir vorgerechnet, dass das Jahresziel von Kion an einem unrealistisch starken Schlussviertel hängt und das Ziel der Staplersparte ITS wackelt. Zur Wochenmitte (14.10.) zog der Vorstand per Ad-hoc-Mitteilung die Konsequenz. Das bereinigte EBIT soll 2026 nur noch 815 bis 875 Mio. Euro erreichen statt 880 bis 980 Mio. Euro. Die neue Obergrenze liegt damit unter der alten Untergrenze. Für ITS sinkt die Spanne von 765 bis 835 auf 690 bis 740 Mio. Euro. Auch Umsatz, Free Cashflow (nun 400 bis 500 Mio. Euro) und Kapitalrendite fallen niedriger aus.

 

Den Ausschlag gab ausgerechnet der Monat September, auf den es ankam. Kion begründet die Senkung mit dem ITS-Auftragseingang im dritten Quartal, der sich nicht wie erwartet entwickelt habe.

In Q3 verdiente ITS vorläufigen Zahlen zufolge rund 163 Mio. Euro, 5% weniger als im Vorjahr. Im Pre-Close-Call hatte Kion dagegen noch ein leichtes Plus in Aussicht gestellt. Konzernweit stieg das bereinigte EBIT um rund 7% auf 203 Mio. Euro statt der im Call genannten rund 10%. Die Automatisierungssparte IAS lieferte dagegen: Der Umsatz stieg um 16% (vorhergesagt: „mid-teens“) auf rund 890 Mio. Euro, das bereinigte EBIT um 38% auf 66 Mio. Euro und damit deutlich über den 48 Mio. Euro aus dem Vorjahr. Die Marge verbesserte sich demzufolge rechnerisch auf rund 7,4% (Vorjahr: 6,2%; Q2: 7,0%).

Für die Glaubwürdigkeit des Managements ist das zumindest einmal ein Kratzer. Die im Pre-Close-Call gestellte Frage nach einer Ad-hoc-Pflicht ist damit jedenfalls beantwortet.

Realistisch statt ambitioniert Immerhin ist die neue Prognose erreichbar. Nach neun Monaten stehen rund 632 Mio. Euro bereinigtes EBIT. Für die Mitte der Spanne (845 Mio. Euro) reicht im vierten Quartal das Niveau des Vorjahresquartals von 213 Mio. Euro.

Schwerer wiegt die zweite Botschaft: Die zweistellige bereinigte EBIT-Marge im Konzern und in beiden Sparten erwartet Kion nun erst nach 2027, mit anderen Worten frühestens 2028. Überraschend kommt das allerdings nicht. Der Markt rechnet selbst für 2030 nur mit einer einstelligen Marge. Die Analysten haben ihre Gewinnerwartungen inzwischen auch deutlich zurückgenommen: Der Konsens für den bereinigten Gewinn je Aktie 2027 fiel seit unserem letzten Beitrag Anfang Oktober von 4,33 auf rund 3,60 Euro, für 2026 von 3,56 auf 3,22 Euro.

Am Mittwoch reagierte die Börse zunächst gelassen auf die Ad-hoc-Meldung. Nach anfänglichen Verlusten drehte die Aktie sogar ins Plus und notierte zeitweise mehr als 4% fester, bevor sie die Gewinne zum Handelsschluss wieder abgab. Als die Analysten am Folgetag ihre Schätzungen kappten, rutschte sie unter das Niveau vor der Meldung. Seit Jahresbeginn hat sie sich fast halbiert und markierte jüngst bei 32,70 Euro ein 52-Wochen-Tief.

Die zweite Bedingung fehlt Damit ist nur eine unserer beiden Bedingungen für einen Einstieg erfüllt. Die Schätzungen für 2027 sind bereits deutlich unter die Marke von 4 Euro gefallen, doch die Aktie fällt mit. Die Enttäuschung ist also noch nicht verarbeitet. Mit einem KGV von nun 9,5 auf Sicht von zwölf Monaten liegt Kion über Jungheinrich (8,3), aber weit unter den Schweizer Intralogistik-Spezialisten Interroll (17,9) und Kardex (22,0). Der Kurs liegt zudem ein Drittel unter dem Buchwert. Die niedrige Bewertung spricht mittelfristig für die Kion-Aktie.

Ganz abgeschlossen sind die Revisionen vielleicht noch nicht. Bis zu den finalen Q3-Zahlen am 29. Oktober könnten weitere folgen. Offen bleiben die Staplernachfrage 2027 und die Frage, ob der Auftragseingang bei IAS wieder anzieht.

Im Mai waren wir von einem normalisierten Gewinn je Aktie von 3,00 bis 3,50 Euro und einem KGV von 12 bis 14 über den Zyklus ausgegangen. Da Kion die zweistelligen Margenziele verschoben hat, rechnen wir nun mit einer etwas niedrigeren normalen Marge von 6,5 bis 7,5%. Daraus ergeben sich ein normalisiertes EPS von rund 2,50 bis 3,10 Euro und ein fairer Wert von 30 bis 43 Euro. Bei 30 Euro, also rund 3,9 Mrd. Euro Börsenwert, läge die Free-Cashflow-Rendite auf Basis der Prognose von 400 bis 500 Mio. Euro bei attraktiven 10 bis 13%.

Zum aktuellen Kurs drängt sich ein Einstieg noch nicht auf. Wir akkumulieren Kion (33,45 Euro; DE000KGX8881) in zwei Tranchen: die erste bei Rücksetzern unter 32 Euro, die zweite unter 30 Euro. Dort preist der Kurs selbst ein pessimistisches Szenario ein.

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