PLATOW Börse - Fresenius holt sich volle Kontrolle über Biopharma-Sparte

Von Platow Brief

BMW setzt sich auf dem Kapitalmarkt neue Ziele +++ Hochtief erhält einen Großauftrag für einen Nuklearstandort +++ Suss Microtec steigt mit neuer Produktlinie in Wafer-Cleaning ein +++ Gerresheimer deutlich unter Vorjahresniveau +++ Micron Rekordquartal befeuert Chipbranche>

Der Gesundheitskonzern übernimmt die restlichen 45% an seiner spanischen Biosimilars-Tochter mAbxience für bis zu 750 Mio. Euro. Davon sind 50 Mio. Euro an Zulassungen von Produktionsstätten geknüpft. Fresenius bezahlt den Kauf aus vorhandener Liquidität. mAbxience setzte 2025 über 320 Mio. Euro um und hat vier Produkte am Markt sowie acht Kandidaten in der Pipeline. Der Deal soll sofort zum bereinigten Ergebnis je Aktie beitragen, die Prognose bleibt unverändert.

Seit der Umstellung von Inhaber- auf Namensaktien im August wird die DAX-Aktie unter einer neuen ISIN gehandelt, die alte Kennung DE0005785604 ist Geschichte. Am Donnerstag (1.10.) reagierte das Papier (44,44 Euro; DE000FRE5EN2) kaum auf den Zukauf und gab nur 0,4% nach, der Index verlor 0,8%. Dabei erscheint der Zeitpunkt aus Sicht von Fresenius passend: Bei vielen Biologika läuft der Patentschutz aus. Der Biosimilars-Markt soll sich deshalb bis 2035 auf über 180 Mrd. Euro versechsfachen. Die Komplettübernahme stärkt das Biopharma-Geschäft und stützt unsere Kaufempfehlung für Fresenius. Stopp bei 33,50 Euro.

BMW verordnet sich eine Schlankheitskur Der Autobauer will mit weniger Modellen, stärkerer Lokalisierung und schlankeren Strukturen zu alter Ertragsstärke zurückfinden. Auf dem Kapitalmarkttag (29./30.9.) stellte der Vorstand für das Segment Automobile bis 2028 eine EBIT-Marge von 3 bis 5% in Aussicht, nach 1 bis 3% im laufenden Jahr. Anfang der 2030er-Jahre soll die Rendite wieder im langfristigen Zielkorridor von 8 bis 10% liegen, der Free Cashflow im Autogeschäft auf mindestens 7 Mrd. Euro steigen. Hebel sind ein ausgedünntes Portfolio (2er Active Tourer, Z4 und 3er Diesel entfallen), mehr lokale Fertigung vor allem in China, der Abbau von 8.000 Stellen in Verwaltung und Entwicklung sowie 20% weniger Management-Funktionen. Zugleich setzt BMW auf die Neue Klasse und den breiten Einsatz von KI. Es sei kein Sparprogramm, betonte Vorstandschef Milan Nedeljković. Die DAX-Aktie (54,66 Euro; DE0005190003) gab leicht ab.

Hochtief baut Nukleargeschäft aus Der Baukonzern ist vom britischen Betreiber Sellafield für einen Rahmenvertrag am größten Nuklearstandort Großbritanniens ausgewählt worden. Das Los mit einem geschätzten Volumen von rund 1,5 Mrd. Pfund (1,75 Mrd. Euro) umfasst Betrieb, Instandhaltung und Weiterentwicklung spezialisierter Nuklearanlagen sowie Stilllegungsprojekte. Es läuft bis zu 15 Jahre, davon neun Jahre fest und sechs Jahre als Verlängerungsoption. Für den DAX-Konzern Hochtief zählt die Kernkraft neben digitaler Infrastruktur, Energie, Verteidigung und kritischen Mineralien zu den strategischen Wachstumsmärkten. Die Aktie (392,60 Euro; DE0006070006) zog am Donnerstag (1.10.) um gut 1% an.

Suss Microtec erschließt ein neues Milliardenfeld Der Halbleiterausrüster steigt mit der neuen Produktlinie Greentec Solutions in den Markt für Waferreinigung ein, dessen adressierbares Volumen er auf rund 5,4 Mrd. Euro beziffert. Treiber sind Advanced Packaging und die Chipnachfrage aus KI und High-Performance-Computing. Erste Plattform ist das System GT200 für 200-mm-Anwendungen in Entwicklung, Qualifizierung und Produktion. CEO Burkhardt Frick sieht in dem Schritt einen wichtigen Meilenstein der Strategie „Ambition 2030“. Die MDAX-Aktie von Suss Microtec (72,65 Euro; DE000A1K0235) verlor 1%. Wir raten unverändert zum Akkumulieren bei 63,00 Euro.

Vorjahresniveau für Gerresheimer außer Reichweite Der Pharmaverpackungsspezialist hat im zweiten Quartal nach vorläufigen Zahlen Umsatz und Ergebnis gegenüber dem schwachen Jahresauftakt deutlich gesteigert. Der Umsatz kletterte um 55 Mio. auf 578 Mio. Euro, das bereinigte EBITDA um mehr als 50% auf 102 Mio. Euro, die Marge um 5,0 Prozentpunkte auf 17,6%.

Das Vorjahresniveau bleibt aber außer Reichweite: Im zweiten Quartal 2025 hatte der Konzern noch 614 Mio. Euro umgesetzt und 126 Mio. Euro bereinigtes EBITDA verdient. Im Halbjahr sank der Umsatz auf 1,10 (Vorjahr: 1,14) Mrd. Euro, das bereinigte EBITDA um 25% auf 168 Mio. Euro. Wachstumstreiber waren Drug Delivery Devices, schwach lief das Geschäft mit Injektionsfläschchen. Gerresheimer erwartet ein stärkeres zweites Halbjahr.

Am Donnerstag (1.10.) vollzog der Konzern zudem den Verkauf der US-Tochter Centor an Apax Partners. Der Erlös fließt in den Schuldenabbau. Die Aktie (28,30 Euro; DE000A0LD6E6) verlor gut 2%.

Micron befeuert die Chipbranche Der US-Speicherchiphersteller hat im vierten Geschäftsquartal die Erwartungen klar übertroffen und rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Knappheit. Der Umsatz hat sich auf 54,2 Mrd. US-Dollar nahezu verfünffacht (Konsens: 51,3 Mrd. Dollar), der Nettogewinn schoss auf 37,7 Mrd. Dollar nach 3,2 Mrd. Dollar im Vorjahr. Bereinigt verdiente der Konzern 33,42 Dollar je Aktie (Konsens: 31,72 Dollar). Für das laufende Quartal stellt Micron 60 bis 63 Mrd. Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn von 37,15 bis 39,15 Dollar je Aktie in Aussicht, ebenfalls deutlich über dem Konsens.

Vorstandschef Sanjay Mehrotra erwartet für 2027 und 2028 einen noch engeren Speichermarkt als 2026. Im ersten Halbjahr will der Konzern rund 25 Mrd. Dollar in neue Kapazitäten investieren. Mit 26 Langfristverträgen über insgesamt 32 Mrd. Dollar sichern sich Kunden ihren Anteil an den knappen Chips. Für die gesamte Branche ist das ein kräftiges Signal, dass der KI-Ausbau nicht an Tempo verliert. Die an der Nasdaq gelistete Aktie (1.034,28 Dollar; US5951121038) verlor am Donnerstag (1.10.) rund 3% durch Gewinnmitnahmen.

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