PLATOW Börse - Dem KI-Trade geht die Luft aus – Eine klebrige Inflation beschleunigt den Abverkauf

Von Platow Brief

Ein Zehntel über der Erwartung reichte: Die US-Inflationsdaten vom Mittwoch schickten den Nasdaq auf Talfahrt, während Value-Titel zulegten. Bemerkenswert ist vor allem, wie sich ausgerechnet die meistgeschmähte Assetklasse verhielt.>

Der Konsens am Markt lautet derzeit, dass die US-Notenbank Fed nicht in einen nachhaltigen Zinsanhebungszyklus eintritt, sondern die Zinsschraube nur temporär nachjustieren muss. Umso anfälliger reagierte der Markt am Mittwoch (14.10.), als die US-Inflationsdaten mit 3,7% leicht über den erwarteten 3,6% hereinkamen – die Kernrate lag mit 2,6% ebenfalls ein Zehntel über Konsens, getrieben vor allem von Energiepreisen. Der Nasdaq Composite verlor 1,98%, der S&P 500 gab 1,09% ab. Der Dow Jones hielt sich mit minus 0,15% deutlich besser und bestätigte damit die Rotation aus Tech/KI-Aktien in Richtung Value-Titel. Im Sektorvergleich legten Gesundheitswerte 2,44% zu, Basiskonsumgüter 2,38%, Energie 0,80%.

Sell the News im Chipsektor Besonders brutal traf es die Chip- und Rechenzentrumswerte. Coreweave brach 15,5% ein, Nebius 10,1%, Oracle 8,8%. Auch AMD (-5,7%), Intel (-4,6%), Micron (-4,1%) und Nvidia (-3,2%) standen massiv unter Druck. Die Warnsignale kamen allerdings schon vorher: Als Samsung am 8. Oktober vorläufige Quartalszahlen mit einem Gewinnsprung von 783% auf Rekordniveau meldete, fiel die Aktie trotzdem – ein starkes Indiz dafür, dass die Entwicklung längst eingepreist war. Wenn Rekordzahlen keine Rally mehr auslösen, ist das Momentum erschöpft. Auf der Zinsseite zogen die Wahrscheinlichkeiten für eine Anhebung um 25 Basispunkte bei der Fed-Sitzung am 28.10. in den vergangenen Tagen deutlich an und liegen derzeit bei 29%.

Die verhasste Assetklasse überrascht Interessanterweise verhielt sich ausgerechnet der meistgeschmähte Markt anders als erwartet: US-Staatsanleihen, die unter dem steigenden Inflationsdruck am stärksten gelitten hatten, schüttelten die stärkere Teuerungsrate nach einem kurzen Abverkauf ab und schlossen den Tag sogar im Grünen. Im frühen Donnerstagshandel bestätigte sich die Anleihestärke weiter. Damit zeigt der US-Anleihemarkt nach Monaten des Abverkaufs zum ersten Mal wieder eine konstruktive Reaktion auf Makro-Daten. Kühlt sich der AI-Trade ab, sinkt auch die massive Nachfrage nach Kapital, was die Zinskosten gemeinsam mit der Inflation in den vergangenen Monaten nach oben gedrückt hatte. Der Markt ist in einer unbequemen Situation: Brent über 104 US-Dollar je Barrel hält die Inflation klebrig – und dem KI-Trade geht derweil das Momentum aus. Daran dürfte sich mindestens bis zur Fed-Sitzung wenig ändern. Historisch treten nachhaltigere Wendepunkte am Markt auffallend oft erst mit Zinsentscheidung und Projektionen der Notenbank auf.

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