PLATOW Börse - Continental zeigt neuen Margenhebel in Amerika
Continental legt mit der neuen Regionalberichterstattung offen, wo im Reifengeschäft noch erheblicher Margenspielraum besteht. Trotz höherer Rohstoffkosten hält der Konzern an seiner Jahresprognose fest, während der Kurs seit Juli deutlich nachgegeben hat.>
Continental schärft sein Geschäftsmodell weiter. Nur gut eine Woche nach der Ankündigung, das margenstärkere UHP-Reifenportfolio (Ultra-High-Performance) bis Ende 2027 um mehr als 650 Dimensionen auszubauen, gab der DAX-Konzern am Donnerstag (24.9.) die Trennung von der australischen Werkstatt- und Reifenhandelskette mycar bekannt. Nach dem Verkauf eigener BestDrive-Filialen in Frankreich ziehen sich die Niedersachsen damit weiter aus kapitalgebundenen Service- und Handelsaktivitäten zurück und konzentrieren Ressourcen stärker auf Entwicklung und Produktion von Reifen.
Wie viel Potenzial das operative Kerngeschäft noch bietet, zeigt die seit September erstmals veröffentlichte regionale Ergebnisrechnung. EMEA und APAC kamen 2025 auf bereinigte EBIT-Margen von jeweils knapp 17%, die Americas lediglich auf 8,0%.
Im Americas-Geschäft steckt damit erhebliches internes Verbesserungspotenzial. Im zweiten Quartal stieg die bereinigte Marge bereits auf 10,5% nach 8,1% im ersten Quartal. CEO Christian Kötz nennt schwache Nachfrage, eine hohe Kostenbasis und geringe Auslastung im Lkw-Reifengeschäft als belastende Faktoren. Helfen sollen ein höherer Anteil an UHP-, All-Weather- und All-Terrain-Reifen, effizientere Werke, mehr lokale Beschaffung und eine bessere Auslastung der Truck-Tire-Kapazitäten. Zwei zusätzliche Margenpunkte entsprächen auf Basis des 2025er Amerika-Umsatzes rechnerisch rund 90 Mio. Euro EBIT. Das wiederum entspräche rund 4,4% des bereinigten Konzern-EBIT 2025.
In der EU gelten seit Juli definitive Antidumpingzölle von 4,3 bis 45,3% auf chinesische Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen. 2024 kamen Importe aus China auf 28% des EU-Marktes. Für Continental verbessert das den Schutz des profitablen Ersatzreifengeschäfts vor gedumpten Importen, auch wenn der Wettbewerbsdruck hoch bleibt.
Insgesamt ist die Ausgangsbasis operativ solide. Im ersten Halbjahr stieg die bereinigte EBIT-Marge der fortgeführten Aktivitäten von 10,9 auf 13,9%, der freie Cashflow drehte von minus 252 Mio. auf plus 142 Mio. Euro.
Belastend für die Aktie (69,18 Euro; DE0005439004) wirkte bei Vorlage der Halbjahreszahlen dagegen der Ausblick auf die Rohstoffkosten: Der bisherige Rückenwind dürfte sich im zweiten Halbjahr umkehren; Continental rechnet mit einer Belastung im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. An der Prognose für Tires hielt der Konzern dennoch fest und erwartet für 2026 weiterhin eine bereinigte EBIT-Marge von 13,0 bis 14,5%. Vor diesem Hintergrund halten wir den jüngsten Rücksetzer für überzogen.
Continental bleibt kaufenswert; unser Stopp liegt bei 53,50 Euro.