PLATOW Börse - Bei Cooper Companies trifft Kursrutsch auf ungebrochene Substanz

Von Platow Brief

Der Kontaktlinsenhersteller Cooper Companies hat an der Börse zuletzt kräftig Federn gelassen. Wir haben nachgerechnet, was Wachstum, Margen und die Kehrtwende bei der Gesundheitssparte über die Aktie verraten.>

Fast jeder zweite Mensch auf der Welt wird bis zum Jahr 2050 kurzsichtig sein. Einer Studie des australischen Brien Holden Vision Institute zufolge droht knapp einer Milliarde Menschen davon sogar eine stark ausgeprägte Myopie mit erhöhtem Erblindungsrisiko. Vor allem Bildschirmzeit treibt diese Entwicklung: Sie beginnt bereits im Kindesalter und verändert die Augen junger Menschen dauerhaft.

Globale Nummer zwei im Kontaktlinsenmarkt Von diesem Megatrend profitiert kaum ein Unternehmen so direkt wie Cooper Companies. Der Konzern aus San Ramon in Kalifornien ist mit seiner Sparte CooperVision die Nummer zwei im weltweiten Kontaktlinsenmarkt. Sein geschätzter Marktanteil von knapp 30% liegt deutlich vor der Schweizer Alcon, aber klar hinter dem Platzhirsch Johnson & Johnson mit seiner Marke Acuvue. Der globale Markt für Kontaktlinsen soll bis 2030 jährlich um rund 4% auf mehr als 20 Mrd. US-Dollar wachsen. Hohe Zulassungshürden und die technisch anspruchsvolle, sterile Fertigung in großem Maßstab schützen etablierte Anbieter wie Cooper vor neuer Konkurrenz. Entsprechend teilen sich nur wenige globale Hersteller den Markt, das hält den Preisdruck gering.

Zwei Drittel der Konzernerlöse kommen inzwischen aus dem Augengeschäft, den Rest liefert die Sparte CooperSurgical mit Fertilitäts- und Frauenheilkunde-Produkten. Regional ist Cooper breit aufgestellt: Rund die Hälfte der Erlöse stammt aus den USA. Fast ein Drittel steuert Europa zu. Der Rest kommt vor allem aus Asien.

Bei Speziallinsen für Alterssichtigkeit und Hornhautverkrümmung gewinnt Cooper seit 18 Jahren in Folge Marktanteile. Mit MiSight bietet der Konzern zudem die einzige zugelassene Linse, die das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern bremst, ein noch kleines, aber margenstarkes Zukunftsgeschäft.

Qualität und Stetigkeit Die Bilanz untermauert das Bild eines Qualitätsunternehmens. In den vergangenen fünf Jahren wuchs der Umsatz im Schnitt um 11% pro Jahr, zuletzt immer noch im hohen einstelligen Bereich. Die Bruttomarge liegt seit Jahren stabil bei rund 67%, gegenüber etwa 45% im S&P 500-Schnitt. Cooper rangiert damit im oberen Viertel des Index. Auch operativ verdient Cooper überdurchschnittlich: Das EBIT legte zuletzt jährlich um etwa 8% zu, die Marge pendelt seit Jahren um 16,5%.

Die schuldenfinanzierte Übernahme von Generate Life Sciences für rund 1,6 Mrd. Dollar Ende 2021 hat die Bilanz zwar spürbar belastet. Der Verschuldungsgrad sprang von 1,7 auf 3,1 mal EBITDA, der Zinsdeckungsgrad brach zeitweise auf 5,1 ein. Seither baut Cooper aber konsequent Schulden ab: Der Verschuldungsgrad liegt nur noch bei 2,2, die Zinsdeckung hat sich auf 6,8 erholt. Beides ist ein Beleg für die disziplinierte Handschrift von Finanzvorstand Brian Andrews, der seit 2018 im Amt ist.

Anleger hatten viele Jahre lang ihre helle Freude an dem Papier. Wer 2009, im Jahr nach der Finanzkrise, einstieg, erzielte bis zum Allzeithoch im September 2021 eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 23%. Nach dem Corona-Einbruch trieb eine Sonderkonjunktur der Post-Pandemie-Zeit den Kurs bis September 2024 wieder auf mehr als 110 Dollar. Seither geht es überwiegend abwärts, zuletzt beschleunigt durch die jüngsten Unternehmensnachrichten.

Rückschlag eröffnet Chance Ein Treiber der jüngsten Talfahrt wirkt temporär: US-Handelspartner bauen nach Vorabkäufen ihre Lagerbestände an Kontaktlinsen ab. Das drückt die Erlöse, obwohl die Endkundennachfrage laut Unternehmen weiter im mittleren einstelligen Bereich wächst. Fürs vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das Ende Oktober abgeschlossen wird, stellt das Management das Ende dieses Lagerabbaus in Aussicht.

Dennoch senkte Cooper die Gewinnprognose von 4,58 bis 4,63 auf 4,51 bis 4,55 Dollar je Aktie. Der Konsens lag mit 4,57 Dollar aber schon vorher nahe dem unteren Ende der neuen Spanne. Die eigentliche Enttäuschung war die Entscheidung, CooperSurgical doch nicht zu verkaufen: Noch im Juni hatte Vorstandschef Albert White von weit fortgeschrittenen Verkaufsgesprächen gesprochen. Die Kehrtwende zerschlug die Hoffnung auf einen schärferen Konzernfokus und drückte die an der Nasdaq notierte Aktie (53,35 Dollar; US2166485019) kurzzeitig auf den tiefsten Stand seit Mai 2017.

Der genauere Blick relativiert den Schock. Ein neuer Konkurrent im Spiralen-Markt und ein Rechtsstreit hätten einen Verkauf von CooperSurgical ohnehin nur mit deutlichem Abschlag auf den zuvor kolportierten Wert von rund 4 Mrd. Dollar möglich gemacht. Die Entscheidung, die Sparte zu behalten, weiterzuentwickeln und einen Verkauf später erneut zu prüfen, wirkt damit eher diszipliniert als enttäuschend. Zwei weitere Entwicklungen nähren zusätzliches Vertrauen: Das Management stockte sein Rückkaufprogramm von 2 auf 3 Mrd. Dollar auf. Und in den Tagen nach der Ergebnisvorlage kauften mehrere Verwaltungsräte eigene Aktien im Gesamtwert von rund 1 Mio. Dollar.

Im Kreis der direkt vergleichbaren Wettbewerber – Johnson & Johnson zählt wegen seiner Marktstellung der Augensparte zwar dazu, ist bei den Kennziffern aber wegen der anderen Bereiche kaum vergleichbar – fällt die Bewertungslücke auf: Cooper handelt sowohl beim KGV als auch beim EV/EBITDA günstiger als die japanische Menicon, der US-Wettbewerber Bausch + Lomb und die Schweizer Alcon. Fast noch aussagekräftiger ist der Abschlag zur eigenen Historie: Cooper notiert rund 49% unter seinem Zehnjahresschnitt beim KGV und 45% beim EV/EBITDA. Der Abschlag ist jeweils deutlich höher als bei jedem Wettbewerber der Gruppe.

Der steile Kursrückgang der vergangenen Wochen wirkt übertrieben. Analysten erwarten für die kommenden Jahre ein Umsatzwachstum von rund 5% und ein Gewinnwachstum von etwa 7% pro Jahr. Cooper dürfte seine ohnehin schon starke Marge also weiter ausweiten. Für dieses margensteigernde Wachstum ist die aktuelle Bewertung außergewöhnlich niedrig, ein seltener Einstiegspunkt für Anleger mit langem Zeithorizont.

Wir empfehlen Cooper Companies zum Kauf. Unser Stopp liegt bei 39,95 Dollar.

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