PLATOW Börse - Basler sieht in der Robotik neues Wachstumspotenzial
Physical AI rückt Sensorik, Bildverarbeitung und Simulation stärker in den Vordergrund. Basler hat die passenden Technologien und könnte langfristig zusätzliche Märkte erschließen.>
Humanoide Roboter gehören derzeit zu den meistdiskutierten Anwendungen von Physical AI. Gemeint ist Künstliche Intelligenz, mit der Maschinen ihre Umgebung wahrnehmen und in der realen Welt handeln. Die langfristigen Erwartungen sind gewaltig: Die UBS rechnet mit mehr als 2 Mio. humanoiden Robotern bis 2035 und rund 300 Mio. bis 2050. Noch ist der Markt allerdings klein. Morgan Stanley erwartet einen breiteren Hochlauf erst ab der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf potenzielle Profiteure. Einer davon dürfte der Bildverarbeitungsspezialist Basler sein. Für viele Anwendungen physischer KI braucht es Kameras, 3D-Sensorik und Software. Basler bietet dafür 2D- und 3D-Kameras sowie die Basler Vision Simulation.
CEO Hardy Mehl bestätigt auf PLATOW-Nachfrage das Potenzial: „Längerfristig (>3 Jahre) könnte es die Anwendungsvielfalt von Robotik substanziell vergrößern und ist damit für uns ein attraktives Zukunftsfeld.“ Kurzfristig bieten Industrie- und mobile Robotik die konkreteren Chancen. Bei humanoiden Robotern sei Basler noch „sehr explorativ“ unterwegs, mit ungewissem Ausgang. Auch die 2026 vorgestellten Produkte für Robotik und Physical AI befinden sich bislang noch in Evaluierungen und Pilotprojekten.
Interessant ist der mögliche Wertbeitrag je Kundenprojekt. Basler will längst nicht mehr nur Kameras verkaufen, sondern komplette Bildverarbeitungssysteme aus Kamera, Optik, Beleuchtung, Datenverarbeitung und Software. Bei Physical AI kommt die digitale Simulation hinzu: „Kunden können zunächst in der virtuellen Welt eine Lösung entwickeln, bevor sie physikalisch nachgebildet wird“. Das werde den Kunden erheblich Zeit und Kosten in der Entwicklungsphase sparen, erklärt der Vorstandschef der Ahrensburger.
Das Kerngeschäft läuft auch ohne Physical AI Obwohl sich dieses Zukunftsthema aktuell noch nicht nennenswert in den Zahlen widerspiegelt, zeigt sich Mehl kurz vor Ende des dritten Quartals sehr zufrieden: „Das positive Geschäftsmomentum hat sich auch in den vergangenen Monaten fortgesetzt.“ Die Nachfrage wird weiter vor allem von Investitionen in Halbleiterproduktion, Rechenzentrumshardware, Konsumelektronik und Logistikautomation getragen. Die Entwicklung wird auch von den Analysten honoriert. Seit unserem jüngsten Artikel vor sieben Wochen sind vor allem die Schätzungen für 2027 und 2028 spürbar gestiegen. Für 2027 rechnet der Konsens inzwischen mit 321 Mio. Euro Umsatz und gut 49 Mio. Euro EBIT, nach 296 Mio. bzw. 41 Mio. Euro Mitte August. Für 2028 stiegen die Erwartungen auf gut 345 Mio. (alt: 325 Mio.) Euro Umsatz und 56 Mio. (alt: 47 Mio.) Euro EBIT. Die EBIT-Marge würde so von 14,7% im Jahr 2026 auf 16,2% im Jahr 2028 steigen. Damit wird die angekündigte Überprüfung der Mittelfristziele zumindest teilweise vorweggenommen. Basler peilt für 2028 offiziell bislang noch rund 275 Mio. Euro Umsatz und mehr als 13% EBIT-Marge an.
Die Aktie (23,80 Euro; DE0005102008) hat sich seit unserem August-Update unter dem Strich kaum bewegt. Durch die gleichzeitig gestiegenen Gewinnschätzungen ist das 12-Month-Forward-KGV mit rund 21 an das untere Ende der 10-Jahres-Spanne gerutscht. Beim EV/EBIT markiert Basler mit knapp 10 sogar ein neues Tief für diesen Zeitraum. Das erste Kauflimit für Neuleser bei 21,70 Euro wurde inzwischen erreicht. Wegen des nach wie vor intakten Korrekturtrends raten wir aktuell unverändert dazu, die Position bei weiter fallenden Kursen zu vervollständigen.
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