Ökonomen zu den unerwartet guten Oktober-Daten am US-Arbeitsmarkt
Berlin, 06. Nov (Reuters) - Der US-Arbeitsmarkt hat im Oktober überraschend kräftig zugelegt. Unter dem Strich entstanden 165.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Job-Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten nur mit 65.000 Stellen gerechnet. Im August und September waren nach revidierten Daten gut 80.000 Arbeitsplätze mehr entstanden als ursprünglich gemeldet. Die Arbeitslosenquote fiel im Oktober auf 4,1 von 4,2 Prozent. Hier hatten Experten mit einem Verharren auf dem Vormonatswert gerechnet.
Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:
THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM VP BANK:
"Der US-Arbeitsmarkt zeigt im Oktober deutliche Stärke. Das gesamte Datenmaterial zum Arbeitsmarkt ist eine einzige Aufforderung an die Fed, den Zins im Dezember weiter anzuheben. So gut der Arbeitsmarktbericht ausfällt, an den Finanzmärkten dürfte er heute lediglich am Rande zur Kenntnis genommen werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit die Demokraten nach den US-Zwischenwahlen ihre neugewonnene Stärke nutzen, um den Bau von Datenzentren stärker zu regulieren. Auch für die US-Notenbank ist die Debatte um den Bau von Rechenzentren von größerer Relevanz als die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Investitionen in Rechenzentren ist ein wesentlicher Treiber des US-Wirtschaftswachstums und damit auch eine relevante Größe für die Inflation und die Geldpolitik. Die Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten verschlechtert darüber hinaus die Finanzierungsbedingungen."
CHRISTOPH BALZ, COMMERZBANK:
"Nach dem schwachen Septemberbericht fallen die Zahlen diesmal somit stark aus. Per saldo ist der US-Arbeitsmarkt solide und spricht nicht gegen Zinserhöhungen. Wir sehen uns in unserer Einschätzung bestätigt, dass die US-Notenbank die Zinsen wegen der Inflationsrisiken im Dezember erneut anhebt."
DIRK CHLENCH, LANDESBANK BADEN-WÜRTTEMBERG:
"Der US-Arbeitsmarktbericht ist in nahezu allen Belangen besser ausgefallen als erwartet. Der Stellenzuwachs von 165.000 lag weit über den Erwartungen. Zudem wurde der Beschäftigungsanstieg für die beiden Vormonate merklich nach oben revidiert, die ohnehin schon niedrige Arbeitslosenquote sank weiter und die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen kräftiger an. Damit dürfte eine Fed-Leitzinsanhebung auf der Gremiensitzung im Dezember in Stein gemeißelt sein. So erfreulich diese Nachrichten für den US-Arbeitnehmer auch sein mögen, für den angeschlagenen US-Aktienmarkt ist ein derart robuster Arbeitsmarktbericht das Letzte, was er jetzt gebrauchen kann."
RALF UMLAUF, HELABA:
"Das ist eine überraschend solide Beschäftigungsentwicklung. Der Stellenaufbau lag im Berichtsmonat über den Erwartungen. Zudem liegen die Arbeitslosenquote niedriger bei 4,1 Prozent und der Zuwachs beim durchschnittlichen Stundenlohn höher bei plus 3,1 Prozent im Vorjahresvergleich. Somit stehen die Daten einer Zinserhöhung im Dezember nicht entgegen. Die Zinserwartungen sind wegen der aufkommenden Verunsicherung vor allem bei Tech-Aktien zuletzt deutlich gedämpft worden. Dies könnte sich nun wieder umkehren."
ALEXANDER KRÜGER, CHEFÖKONOM BETHMANN HAL BANK:
"Der Beschäftigungsmotor dreht mal wieder auf. Nachfrage und Angebot von Arbeitskräften halten sich aber weiter die Waage. Bislang deutet nichts darauf hin, dass sich die Lage bald anspannt oder überhitzt. Die Zuwanderung ist gesunken, viele Erwerbspersonen bleiben dem Arbeitsmarkt noch immer fern. Seit dem Sommer hat sich die Partizipation zwar erhöht, sie ist aber weiter unterdurchschnittlich. Summa summarum bietet der Arbeitsmarkt Licht und Schatten. Die US-Notenbank Fed kann sich weiter voll und ganz auf ihr Preisziel konzentrieren. Hier sieht es so aus, dass der Leitzins im Dezember erneut angehoben wird."