Insider: Evonik prüft Übernahme von US-Rivale Ashland
Düsseldorf/München, 22. Okt (Reuters) - Der Spezialchemiekonzern EvonikEVKn.DE prüft zwei Insidern zufolge eine Übernahme des US-Konkurrenten AshlandASH.N. Zwei mit den Bestrebungen vertraute Personen sagten am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters, Evonik sei einer von mehreren Interessenten für das Unternehmen, das an der New Yorker Börse mit 3,3 Milliarden Dollar bewertet wird. Ashland habe auf Druck von aktivistischen Investoren begonnen, nach Interessenten Ausschau zu halten, sagte einer der Insider. Der Prozess - und damit die Bemühungen von Evonik - hätten noch vor dem Vorstoß von BASFBASFn.DE zur Übernahme des Essener Konzerns begonnen. Das Vorgehen sei daher nicht als "Giftpille" zur Abwehr von BASF zu sehen. Evonik wollte sich dazu nicht äußern, Ashland war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Das "Handelsblatt", das als Erstes über das Interesse an Ashland berichtet hatte, schrieb, Evonik wolle mit einem Zukauf in den USA die Abhängigkeit vom europäischen Markt verringern, Ashland passe gut in die Strategie, da sich die Portfolios unter anderem bei Kosmetik-Inhaltsstoffen und Spezialadditiven ergänzten. Neben Evonik hätten auch Finanzinvestoren wie Advent, ApolloAPO.N und CarlyleCG.O Kontakt zu Ashland aufgenommen. Evonik habe die Investmentbanken Perella Weinberg und JP Morgan beauftragt, den Markt nach geeigneten Zielen zu sondieren.
Bei Ashland gehören drei als aktivistisch eingeschätzte Investoren nach LSEG-Daten zu den zehn größten Anteilseignern: Standard Investments (9,9 Prozent), Omega Advisors (6,4 Prozent) und Ancora Advisors (4,3 Prozent). Letzterer ist inzwischen mit zwei Vertretern im Verwaltungsrat von Ashland vertreten. Die Ashland-Aktie legte am Donnerstag nur leicht auf 72,46 Dollar zu.
Evonik würde mit einer Übernahme von Ashland größer und könnte damit von BASF schwerer zu verdauen sein. Ob sich der Ludwigshafener Chemieriese davon stören ließe, ist offen. BASF-Chef Markus Kamieth warb am Donnerstag in einer Videobotschaft mit weitreichenden Job- und Standortgarantien um Evonik und dessen Eigentümer. Ein Zusammenschluss sei eine "starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb", erklärte Kamieth. Vor dem Hintergrund wachsender Konkurrenz aus Asien und dem Nahen Osten müsse sich die deutsche Industrie konsolidieren, bevor sie von ausländischen Investoren aufgekauft werde.