Initiative: Deutschland braucht Investitionen von 4 Billionen Euro in Zukunftsfelder

Von Reuters News

- In Deutschland sollten bis 2035 bis zu vier Billionen Euro in Zukunftsfelder fließen. Das geht aus einem Bericht der Wirtschaftsinitiative Made for Germany hervor, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Im Fokus müssten die Bereiche Künstliche Intelligenz in der Industrie, der Umbau der Industrie samt Zukunftstechnologien, widerstandsfähige Energiesysteme, die Kerninfrastruktur sowie der Bereich Sicherheit und Verteidigung stehen. "Deutschland verfügt über enormes Potenzial", sagte Christian Sewing, der Chef der Deutschen Bank. Am Montag und Dienstag hat die Bundesregierung zu einer Investorenkonferenz nach Berlin geladen, um für den Standort zu werben.

Insidern zufolge soll dabei eine Kooperation mit dem US-Chiphersteller NvidiaNVDA.O vorgestellt werden, der im KI-Bereich dominant ist. Allerdings gab es zuletzt gleich mehrere Rückschläge für den Standort Deutschland: Der Schweizer Pharmakonzern Roche<ROPC.S> stellte wegen der Sparpolitik der Bundesregierung im Gesundheitswesen alle künftigen Investitionen in Deutschland vorerst auf den Prüfstand. Außerdem drohen in Berlin, große Wohnungskonzerne enteignet zu werden. Und das Ziel einer größeren digitalen Unabhängigkeit Deutschlands ist einer Studie zufolge weiter entfernt denn je.

Made for Germany - hinter der Initiative stehen 147 Unternehmen und Investoren, darunter die Deutsche Bank und Siemens - bezifferte das Investitions- und Finanzierungspotenzial bis 2035 auf 2,9 bis 4,1 Billionen Euro. Der entsprechende Bericht wurde an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) übergeben. Darin heißt es, die besten Argumente für den Standort seien die politische und rechtliche Stabilität, eine exzellente Forschung, Top-Fachkräfte, eine tiefe industrielle Basis und der direkte EU-Marktzugang. Allerdings beklagen sich Unternehmen immer wieder über zu viel Bürokratie, zu hohe Steuern und Energiepreise sowie fehlende Reformen. Deswegen ist Deutschland in Standort-Rankings in den vergangenen Jahren abgerutscht.

ENTEIGNUNGEN SORGEN FÜR UNSICHERHEIT

Reiche bekräftigte ihre Kritik an möglichen Enteignungen. Dies sei eine Gefahr für den Standort, die weit über Berlin hinausgehe. Es sei ein Rezept, das bisher nirgendwo auf der Welt funktioniert habe. Die Bundesregierung werde deutlich machen, dass dies kein Modell für Deutschland sei. Sie will ein Verbot solcher Vergesellschaftungen auf Landesebene. Die Pläne bekräftigte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag.

Nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin läuft es auf eine Koalition von Linken, Grünen und SPD hinaus. Das Trio hatte am Samstag eine Vereinbarung geschlossen, Wohnkonzerne mit mehr als 10.000 Wohnungen zu enteignen und dafür bis zu 16 Milliarden Euro aufwenden zu wollen. Betroffen wäre davon unter anderem VonoviaVNAn.DE. "Wir sind überzeugt, dass eine Vergesellschaftung in der vorgelegten und geplanten Art und Weise verfassungswidrig ist und einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten würde", sagte eine Sprecherin des Konzerns.

Siemens-Chef Roland Busch sagte, industrielle KI sei eine Jahrhundert-Chance, die zu mehr Wachstum in Deutschland führen könne. Ähnlich äußerte sich Reiche: Bei der ersten KI-Welle sei es vor allem um Wissen, Sprache und Software gegangen. Nun kämen Maschinen und Roboter ins Spiel, also die Industrie.

Einer Studie des Digitalverbands Bitkom zufolge betrachten allerdings nahezu alle heimischen Unternehmen Deutschland als stark oder eher abhängig von ausländischen Technologien und Dienstleistungen. Fast zwei Drittel der Befragten befürchten, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren noch verschärfen wird. An der Spitze der Digitalimporte stehen Elektronikgeräte wie Smartphones und Laptops (94 Prozent), gefolgt von Hardware-Komponenten wie Computerchips (79 Prozent). Darüber hinaus spielen Cloud-Dienstleistungen (73 Prozent), Software-Anwendungen (68 Prozent) und KI (56 Prozent) eine wichtige Rolle. Am stärksten ist die Abhängigkeit dabei von den USA und China.

Deutsche-Bank-Chef Sewing sagte, der Staat könne nicht alleine den Investitionsbedarf decken. Es sei genug privates Kapital da, das aber mobilisiert werden müsse. Investoren bräuchten Verlässlichkeit und Tempo. Dieses bemängelte Roche. Die Politik habe zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört. Statt strukturelle Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung anzugehen, setze sie auf kurzfristige Einsparungen und belaste die Industrie zusätzlich. Reiche sagte, die Regierung müsse auch die Perspektive der Hersteller von Medikamente einnehmen.

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