Heineken warnt britische Pubs vor Umsatzrückgang durch Abnehmspritzen

Von Reuters News

- von Emma Rumney

- Der niederländische Brauereikonzern HeinekenHEIN.AS hat britische Pubs und Bars vor den wirtschaftlichen Folgen des Booms von Abnehmspritzen gewarnt. Diese sogenannten GLP-1-Präparate erhöhten das Sättigungsgefühl und verringerten das Verlangen nach Alkohol, hieß es in einer Präsentation, die das Unternehmen im Oktober an Kunden aus der britischen Gastronomie verschickte und die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Damit könnten die Mittel den Verkauf von Bier und Cider gefährden. Die Warnung ist ein seltenes Eingeständnis eines großen Alkoholherstellers, dass Mittel wie Ozempic oder Wegovy von Novo NordiskNOVOb.CO den Absatz belasten können.

Heineken riet den Wirten, verstärkt Bier in kleineren Gläsern und alkoholfreie Getränke anzubieten oder Bier mit kleineren Speisen zu kombinieren. Andernfalls drohten ein Rückgang der Kundenzahlen und geringere Einnahmen. Heineken bestätigte, die Präsentation im Rahmen des regelmäßigen Austauschs mit der britischen Gastronomie verschickt zu haben. Man beobachte Veränderungen im Konsumverhalten der Nutzer und werde diese Entwicklung im Jahr 2027 weiterverfolgen, teilte der weltweit zweitgrößte Brauer mit.

Die Alkoholbranche kämpft in einigen wichtigen Märkten bereits seit Jahren mit sinkenden Umsätzen. Verbraucher trinken aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen weniger. Das Geschäftsrisiko durch die Abnehmspritzen spielen Konkurrenten von Heineken aber bislang herunter: Der Spirituosenhersteller DiageoDGE.L bezeichnete die Auswirkungen als beherrschbar. CarlsbergCARLb.CO erklärte, die bisherigen Daten ließen keinen klaren Trend erkennen. Anheuser-Busch InBevABI.BR lehnte eine Stellungnahme ab.

Daten aus den USA belegen allerdings einen veränderten Konsum. Haushalte mit GLP-1-Nutzern gaben nach zwei Jahren Behandlung monatlich rund sieben Prozent weniger für Alkohol aus als andere Haushalte, wie aus Zahlen des Marktforschers Circana hervorgeht. Bei Bier betrug der Rückgang rund 13,5 Prozent. Wissenschaftler stützen diese Beobachtungen: Die Wirkstoffe beeinflussten das Gehirn und verringerten das Verlangen nach Alkohol, sagte Joseph Schacht, Professor an der University of Colorado Anschutz. Zehn von elf GLP-1-Anwendern, die Reuters befragte, gaben an, ihren Alkoholkonsum reduziert zu haben, teilweise sogar erheblich. Sie fühlten sich nach dem Konsum unwohl oder hätten einfach keine Lust mehr auf Alkohol.

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