Digitalminister will EU-Regulierung für KI lockern
Berlin, 02. Nov (Reuters) - Digitalminister Karsten Wildberger plädiert für eine Lockerung der EU-Vorgaben zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI). "Deutschland will einfachere und klarere und innovationsfreundliche Regulierung, weniger Verpflichtungen und mehr Platz, um Ideen zu testen und auszubauen", sagte der CDU-Politiker am Montag auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung mit Blick auf die laufenden Verhandlungen in Brüssel. Zugleich forderte er mehr Investitionen und Mut, in Deutschland eine effiziente Infrastruktur für die KI-Nutzung aufzubauen. Sicher müsse man auch über die Risiken der KI-Nutzung sprechen, aber zunächst mehr Freiraum für die Entwicklung schaffen.
Wildberger sagte Betreiberfirmen von Rechenzentren zu, dass der Staat dann auch als sogenannter Ankerkunde, also Besteller für KI-Modelle und -Anwendungen, zur Verfügung stehe. Die Kapazität der Rechenzentren in Deutschland soll sich nach seinen Angaben bis 2030 vervierfachen. Dafür nötig seien auch "kühne Entscheidungen für Energieinfrastruktur". Wildberger verwies zudem darauf, dass etwa die Deutsche TelekomDTEGn.DE in ihrer neuen KI-Factory in München nicht nur Chips des US-Konzerns NvidiaNVDA.O, sondern auch Produkte deutscher Chiphersteller einsetzen werde.
Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom will die deutsche Wirtschaft KI aus Deutschland: 96 Prozent der Unternehmen würden bevorzugt KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen, teilte Bitkom am Montag nach einer Umfrage unter 603 Mitgliedsfirmen mit. Allerdings seien 64 Prozent gleichzeitig nicht bereit, dafür Abstriche wie etwa einen höheren Preis oder geringeren Funktionsumfang in Kauf zu nehmen. Nur noch 41 Prozent möchten bevorzugt KI aus den USA nutzen - vor einem Jahr waren es noch 51 Prozent. Auch das Vertrauen in chinesische KI sinkt: Nur noch zwölf Prozent wollen diese nutzen, 2025 waren es noch 18 Prozent.
Deutschland fehlen nach Ansicht des Ifo-Instituts jedoch wichtige Voraussetzungen, um das Wachstumspotenzial Künstlicher Intelligenz auszuschöpfen. "Die Hightech-Branche ist noch zu klein und die Verwaltung ist zu wenig digitalisiert", sagte Ifo-Experte Oliver Falck am Montag zu einer Analyse des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts. "Und das Bildungssystem passt sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an", fügte der Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation hinzu. Der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologien) trägt laut Ifo nur 4,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung in Deutschland bei.
Bei dem zweitägigen Digitalgipfel kommen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um sich über KI, Cybersicherheit und digitale Souveränität auszutauschen.