Der PLATOW Brief - Sparda-Banken zwischen Zeitenwende und Tagesgeschäft
Große Reformen für Deutschland, großer Wandel für die Sparda-Gruppe: Auf dem Verbandstag treffen Zukunftsfragen auf den Alltag der einzelnen Institute. Dieser Weg zeichnet sich ab.>
Die Sparda-Banken erleben im Kleinen, was Deutschland im Großen bewegt. Auf dem Sparda-Verbandstag sprachen die Gastredner Sigmar Gabriel, ehemaliger Vizekanzler und Bundesaußenminister (SPD), und Veronika Grimm, Wirtschaftsweise und Professorin, über Deutschlands Rolle in einer sich wandelnden Welt. Im Mittelpunkt der Reden standen dringend notwendige Reformen.
Auf Sparda-Ebene ging es bei Florian Rentsch, Vorsitzender des Vorstands des Verbandes der Sparda-Banken, und Stefan Schindler, Vorsitzender des Verbandsrats und Vorstandschef der Sparda-Bank Nürnberg, um die Zukunft der Gruppe und den Platz der Sparda-Banken in einem sich wandelnden Bankenmarkt. Dazwischen stehen die Vorstandsvorsitzenden der einzelnen Institute. Sie müssen diese Zukunft gestalten, sind aber zugleich im Tagesgeschäft gebunden.
Niedriges Wachstum erhöht den Reformdruck für Deutschland Grimm zeichnete ein düsteres Bild der Lage. Das Potenzialwachstum, das mittelfristig erreichbare Wachstum bei Normalauslastung, liegt nur noch bei 0,4% pro Jahr, Tendenz weiter fallend, allein schon wegen des demografischen Wandels. Das strukturelle Defizit des Staates steuert auf 4 bis 5% des Bruttoinlandsprodukts zu, eine Trendwende sei nicht in Sicht. „Deutschland ist ein Land, das seit eigentlich 2018 kein Wachstum mehr realisiert“, sagte Grimm. Mit halbherzigen Änderungen sei nichts gewonnen: „Nur mit den Arbeitsmarkt- und Sozialreformen wird es nichts werden.“
Gabriel setzte geopolitisch nach: Nach 600 Jahren wandert das Machtzentrum der Welt vom Nordatlantik in den Indopazifik. Die USA ziehen sich als Ordnungsmacht zurück, China füllt die Lücke nicht. „Wenn der Sheriff die Main Street verlässt, kommen die Gangster“, warnte Gabriel. Der Ukraine-Krieg sei nicht der Beginn dieser Zeitenwende, sondern ihre Folge. Für Deutschland heißt das: mehr Verantwortung übernehmen, auch im eigenen Land. Dafür brauche es vor allem eines: Führung. „Politik besteht aus Führen und Sammeln“, mahnte Gabriel. Nur Führen reiche nicht. Die Probleme sind überwindbar, glaubt er: Deutschland habe in der Vergangenheit weit größere Probleme gestemmt.
Spardas auf Platzsuche in der neuen Bankenwelt Reformbedarf sieht auch die Sparda-Gruppe, vor allem im eigenen Markt. Die IT-Migration ist zwar erfolgreich abgeschlossen, wie Schindler bemerkte, doch Rentsch machte klar: Stillstand ist keine Option. Jedes Jahr kommen mehr Banken auf den Markt, neue IT-affine Player stehen bereit. Die Sparda-Banken müssten ihren Platz nicht nur verteidigen, sondern ausbauen. Rentsch formulierte vier Wünsche an die Gruppe: Kundenfokus, Geschwindigkeit und Priorisierung, gemeinsame Stärke und Mut zur Veränderung. Der letzte Punkt klingt vertraut, Gabriel und Grimm hatten ihn wenige Minuten zuvor für Deutschland gefordert.
„Wir haben im Verbandsrat beschlossen, für unsere Führungskräfte einen Akzent zu setzen und das Thema KI als Instrument in unserer Arbeit zu forcieren“, so Rentsch. Man müsse gemeinsam mit den Partnern in der genossenschaftlichen Gruppe eine Vorreiterrolle einnehmen.
Zwischen Alltagsthemen und Zukunftsfragen Was Rentsch als Ziel formuliert, müssen die einzelnen Institute im Tagesgeschäft umsetzen, mit eigenen Problemen. Bei der Sparda-Bank West geht es beispielsweise (durchaus mit kritischem Unterton) um den Umgang mit König Fußball. Die millionenschwere Partnerschaft mit Borussia Dortmund sollte laut interner Kommunikation ein „Motor zur Verjüngung der Bank“ sein. Ein Hinweisgeber, der im Hintergrund bleiben möchte, bezweifelt das gegenüber PLATOW: In der Filiale Dortmund seien seit Einführung nur 2 bis 3 neue BVB-Konten eröffnet worden, die eigens entwickelte App komme laut PlayStore nur auf rund 100 Downloads. Vorstandsvorsitzender Andreas Lösing hält auf dem Verbandstag dagegen: Die Partnerschaft laufe erst an, eine Bilanz werde zum Jahresende gezogen.
Gespräche auf dem Verbandstag kreisten auch um den gescheiterte Manteltarifvertrag mit Verdi. Verhandlungsführer Martin Buch, gleichzeitig Chef der Sparda-Bank Baden-Württemberg, war noch sichtlich verärgert und frustriert. Er richtete den Blick aber bereits nach vorne: Sein Haus arbeite an einer neuen Strategie, mehr wollte er uns dazu nicht sagen.
Deutschland und die Sparda-Gruppe suchen beide ihren Platz in einer veränderten Welt, während in den einzelnen Häusern das Tagesgeschäft unabhängig davon seinen Gang nehmen muss. Zum Schluss zitierte Rentsch dann noch den VIP-Gast Gabriel, der den Verbandstag mit seiner Rede geprägt hatte: „Wir können an einer Zeitenwende selber teilnehmen, toll, aber wir müssen auch richtig was draus machen.“