Der PLATOW Brief - Sparda-Bank West sammelt 1,5 Mrd. Euro ein und verliert trotzdem Kunden
Mit Tagesgeld, BVB-Konto und einer leuchtenden Kreditkarte kämpft Andreas Lösing, Chef der Sparda-Bank West, gegen den Kundenschwund. Doch einen Gegner kann er kaum besiegen.>
Andreas Lösing, der die Sparda-Bank West seit dem 1.1.2023 führt, kündigte 2025 vollmundig dem Kundenschwund den Kampf an. Doch die Fusion mit der PSD Bank Rhein-Ruhr ist gescheitert. Jetzt muss Lösing umdenken: „Wir wissen: Wir verlieren Kunden. Nach der abgesagten Fusion schauen wir jetzt, was wir eigenständig erreichen können.“
Dazu gehört das im August gestartete TagesgeldPlus mit 3,2% Zins, fest bis 15.2.2027. In den ersten vier Wochen brachte es knapp 5.000 Neukunden und 1,3 Mrd. Euro, bis zum 7.10. waren es rund 1,5 Mrd. Euro. Solche Aktionen erst möglich macht der IT-Umzug zu Atruvia: „Ein Klick in der App, und das Konto kann digital angelegt werden“, so Lösing. Offen bleibt, ob daraus dauerhafte Kunden werden. Immerhin 10% dieser Neukunden haben inzwischen ein Girokonto.
Der Erfolg hat seinen Preis: „Wer Kunden gewinnen will, muss im Geschäft bleiben. Deshalb haben wir die Passivseite etwas verteuert“, sagt Lösing. Genaue Zahlen nennt er nicht.
Der Kampf um junge Kunden Gegen den Alterungsprozess in der Gesellschaft ist auch eine Bank machtlos. Selbst die Tagesgeldaktion kann nicht verhindern, dass die Kundenbasis der Sparda West altert. „Zum 30. September hatten wir schon so viele Sterbefälle wie im gesamten Vorjahr“, sagt Lösing. Die Bank braucht die Generation unter 40, doch „um die kämpfen alle Banken“.
Seine Trumpfkarte ist schwarz-gelb. Bei der Partnerschaft mit Borussia Dortmund (BVB) ging es Lösing zunächst um Sichtbarkeit. „Wir hatten keine Markenwerbung mehr, gar nichts. Mit dem BVB sind wir wieder sichtbar.“ Die Bank ist „Champion Partner“ des Vereins und dreht dazu eine eigene Filmreihe, „Bänker am Ball“. Der Start der Partnerschaft brachte 92 Mio. Impressions in den sozialen Medien. Was das Sponsoring kostet, verrät die Bank nicht. Seit dem Saisonauftakt bietet die Bank Girokonto und Kreditkarten im BVB-Design. In Kürze folgt ein Tagesgeld mit Bezug zu Heimspielen und Toren, kündigt Lösing an. Ein Hinweisgeber hatte zuletzt bezweifelt, dass die Partnerschaft zieht: In der Filiale Dortmund seien nur 2 bis 3 BVB-Konten eröffnet worden. Lösing verweist weiter auf die Bilanz zum Jahresende.
Ende Oktober startet zudem die GenoxCard, eine leuchtende Kreditkarte für Gamer zwischen 18 und 30 Jahren. Das Design sei ein wesentlicher Faktor bei der Kundengewinnung, sagte jüngst DG Nexolution-Chef Marco Rummer. Die Sparda West gehört als Pilotbank zu den ersten Genossenschaftsbanken mit dieser Karte. „An junge Menschen kommt man heute nicht mehr über die klassischen Wege. Deshalb sind wir in der Gamerwelt und im eSports unterwegs“, erklärt Lösing.
Kosten sinken, Baufi holt auf Auch bei den Kosten kämpft Lösing weiter. 2025 stieg der Verwaltungsaufwand vor allem wegen des IT-Umzugs um 13,9% auf rund 195 Mio. Euro. Jetzt sollen die angekündigten Einsparungen greifen: 2026 erwartet die Bank rund 20 Mio. Euro weniger Aufwand. „Einen Teil wollen wir wieder in Kunden, Prozesse und Innovationen stecken“, sagt Lösing. Doch im Neugeschäft zeigt der IT-Wechsel auch Spuren, räumt Lösing ein: „Nach der Migration war alles neu, für Mitarbeiter wie für Kunden. Wir hatten einen verhaltenen Start, jetzt holen wir auf.“
Das betrifft vor allem die Baufinanzierung. Schon 2025 hatte sich die Bank wegen der Migration im zweiten Halbjahr zeitweise aus dem Neugeschäft zurückgezogen. Ende 2025 standen 937 Mio. Euro Neugeschäft. Für 2026 peilt Lösing rund 1 Mrd. Euro an. „Mit der neuen Software schaffen wir in der Abwicklung das Doppelte ohne mehr Personal“, sagt er.
Bei kommenden IT-Projekten helfen soll die neue IT-Vorständin Tanja Decking. Die bisherige Generalbevollmächtigte beginnt zum 1.1.2027 in der neuen Position. Für Lösing war es ein notwendiger Schritt: „Dass Tanja Decking Vorständin wird, war unabhängig von der Fusion klar und mit der PSD abgesprochen. Der vierte Vorstand wäre unabhängig von Verwaltungsaufwendungen und der geplanten Übernahme gekommen.“
Ende weiter offen Der IT-Umzug ist vorbei, der PSD-Plan gescheitert. „Wir haben uns vier Jahre lang eigentlich nur um uns selbst gekümmert“, räumt Lösing selbstkritisch ein. Jetzt muss der Bank-Manager bei Kunden und Kosten liefern. Das Tagesgeld zeigt, dass die Bank Reichweite hat. Den Kampf gegen den Kundenschwund hat Lösing dereinst ausgerufen. Gewonnen ist er noch lange nicht.