Der PLATOW Brief - Commerzbank bereitet sich auf Sonder-HV im Januar oder Februar vor

Von Platow Brief

Noch im Januar will Unicredit-Chef Orcel den Commerzbank-AR austauschen. Die Commerzbank arbeitet bereits an den Vorbereitungen für eine Sonder-HV. Ob diese stattfindet, ist aber noch offen.>

Die Commerzbank wappnet sich für einen möglichen Antrag aus Mailand zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Da Unicredit bereits über weit mehr als das erforderliche Mindestquorum von 5% an stimmberechtigten Commerzbank-Aktien verfügt, können die Italiener jederzeit die Einberufung einer Sonder-HV verlangen. Wie wir aus Kreisen von Sicherheitsunternehmen hören, soll die Commerzbank die Verfügbarkeit von Eingangsschleusen für Sicherheitskontrollen im Januar und Februar abgefragt haben.

Ende September hatte Unicredit-Chef Andrea Orcel der Commerzbank via „FT“ ausrichten lassen, dass er nach Erhalt der erforderlichen behördlichen Freigaben möglichst schon im Januar die Kontrolle bei den Frankfurtern übernehmen und eine Sonder-HV abhalten wolle, um die komplette Kapitalseite des Aufsichtsrats auszutauschen und anschließend auch Vorstandschefin Bettina Orlopp abzulösen. Daraufhin hat die Commerzbank nach unseren Informationen ein kleines Team beauftragt, die organisatorischen Voraussetzungen für eine schnelle Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung im Januar oder Februar zu schaffen.

Vor wichtigen Genehmigungen in den nächsten Wochen Ein offizielles Verlangen zur Einberufung einer Sonder-HV liegt der Commerzbank bislang allerdings nicht vor und müsste auch Ad hoc gemeldet werden. Nachdem die EZB bereits grünes Licht gegeben hat, stehen neben ein paar weniger relevanten Genehmigungen noch die wichtigen Bescheide aus Polen und Brüssel aus. Die kartellrechtliche Freigabe der EU-Kommission wird spätestens mit Fristablauf am 16.11. erwartet. Ebenfalls in den nächsten Wochen dürfte auch die Genehmigung der polnischen Aufsichtsbehörden eintrudeln. Dann könnte Orcel eine Sonder-HV verlangen.

Sicher ist das allerdings nicht. Viel dürfte davon abhängen, wie die Gespräche zwischen Unicredit und Berlin verlaufen. Dabei drängt die Bundesregierung auch darauf, weiterhin zwei Vertreter des Bundes in den Commerzbank-Aufsichtsrat entsenden zu dürfen, was Orcel bislang ablehnt. Am Rande der IWF-Tagung in Bangkok hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil von „konstruktiven Gesprächen“ berichtet. Dabei habe er „keine verhärteten Fronten wahrgenommen“. Vielmehr glaube er, dass sich die Themen „im Miteinander gut angehen lassen“.

Quartalszahlen im Schatten der bevorstehenden Übernahme Am kommenden Donnerstag (5.11.) präsentieren Orlopp und ihr CFO Carsten Schmitt das Zahlenwerk für das dritte Quartal. Nach den starken Zahlen der Deutschen Bank im Firmenkundengeschäft, das von der überraschend an Schwung gewinnenden deutschen Konjunktur profitierte, sollte auch die Commerzbank wieder mit guten Ergebnissen um die Ecke kommen. Interessanter als der Zahlensalat dürfte jedoch sein, was Orlopp zu der bevorstehenden Kontrollübernahme durch Unicredit und zu ihrer eigenen beruflichen Zukunft zu berichten hat. Insbesondere über Letzteres dürfte Orlopp allerdings kaum etwas sagen wollen. Wir sind gespannt und werden auf jeden Fall nachhaken.

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