Globaler Zinsblick – Wie könnten EZB und Fed auf den Iran-Krieg reagieren?
Die Zinsentwicklung spielt eine bedeutende Rolle für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher rund um den Globus.
Die Zinsentwicklung spielt eine bedeutende Rolle für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher rund um den Globus. Die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind dabei insbesondere für den Euroraum von hoher Bedeutung, während die US-Notenbank (Fed) in den Vereinigten Staaten über das Leitzinsniveau bestimmt. Doch die durch den Iran-Krieg befeuerte Inflation könnte die EZB als auf Fed nun zusehends unter Druck setzen. Erhalten Sie im Folgenden einen Überblick über die aktuelle Konstellation und wie sich die Zinslandschaft in den kommenden Monaten entwickeln könnte.
Keyfacts
- Iran-Konflikt sorgt für Ölpreisanstieg (WTI) im März um über 50 Prozent
- Mögliche Inflationswelle könnte Notenbanken EZB und Fed zu Zinserhöhungen zwingen
- Große Notenbanken dürften sich möglicherweise in einem Spannungsfeld aus anziehender Inflation und anhaltenden geopolitischen Risiken im Jahr 2026 bewegen
Europäische Zentralbank belässt Leitzins im März unverändert
Am 19. März 2026 hatte die EZB zuletzt beschlossen, die drei Leitzinssätze unverändert zu belassen. Die Zinssätze für die sogenannte Einlagefazilität, die Hauptrefinanzierungsgeschäfte nebst Spitzenrefinanzierungsfazilität liegen damit weiterhin bei 2,00 Prozent, 2,15 Prozent bzw. 2,40 Prozent.
Laut Plan sind die weiteren Sitzungen für das laufende Jahr für den 30. April, den 11. Juni, den 23. Juli, den 10. September, den 29. Oktober und den 17. Dezember 2026 angesetzt.
Nach faktischer Blockade der Straße von Hormus wegen Iran-Krieg: Ölpreis (WTI) zieht im März um über 50 Prozent an
Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran hat etwa den Ölpreis (West Texas Intermediate) allein im Monat März um über 50 Prozent nach oben schnellen lassen. Die nahezu faktische Blockade der Straße von Hormus sorgt für Verunsicherung, da etwa rund ein Fünftel der globalen Rohöl- und Erdgas-Transporte über die strategische Meerenge transportiert werden.
Ölpreis (West Texas Intermediate)
Quelle: TradingView
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Drohende Inflationswelle – März-Teuerung für Deutschland und Eurozone bereits angestiegen
Angesichts der geopolitischen Eskalation im Nahen Osten und dem daraus resultierenden Inflationsschub droht die Gefahr einer neuer Inflationswelle, sodass die Notenbanken rund um den Globus potenziell mit Zinserhöhungen auf den möglichen Anstieg der Teuerung reagieren könnten.
Wegen der stark steigenden Energiepreise infolge des Iran-Krieges ist die Inflationsrate in der Bundesrepublik Deutschland auf 2,7 Prozent (gegenüber dem Vorjahresmonat) angesprungen, wie das Statistische Bundesamt am 30.03.2026 mitteilte. Im Februar hatte die Teuerungsrate noch bei 1,9 Prozent gelegen, nach 2,1 Prozent im Januar. Möglicherweise könnte die Inflation auch in den kommenden Monaten weiter anziehen.
Im Euroraum sind die Verbraucherpreise im März um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, wie das in Luxemburg ansässige EU-Statistikamt Eurostat erklärt. Wegen des Ölpreisanstiegs bzw. der hohen Energiepreise angesichts des Nahostkonflikts lag die Teuerung im März einer ersten Schätzung zufolge damit so hoch wie seit Januar 2025 nicht mehr.
Laut EZB-Projektionen vom 19. März wird im Basisszenario mit einer Gesamtinflation im Durchschnitt von 2,6 Prozent für 2026, 2,0 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028 gerechnet.
Inflation in den USA könnte ebenfalls anziehen – Sorge vor Zinserhöhungen durch die US-Notenbank
In den USA hatte die Inflation im Februar und damit in der Zeit vor Ausbruch des Iran-Krieges bei 2,4 Prozent (im Vergleich zum Vorjahresmonat) gelegen und damit so hoch wie im Januar. Die Kernrate der Teuerung, welche die Treiber Energie und Lebensmittel ausblendet, hatte sich bei 2,5 Prozent stabilisiert. Möglicherweise könnten die März-Daten einen Inflationsschub auch für den US-amerikanischen Raum signalisieren.
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will laut Plan am 29. April, am 17. Juni, am 29. Juli, am 16. September, am 28. Oktober sowie am 9. Dezember über ihr Leitzinsniveau im laufenden Jahr entscheiden. Das Zinsband selbst liegt im US-amerikanischen Raum derzeit bei 3,50 bis 3,75 Prozent und damit deutlich höher als in der Eurozone.
Fazit:
Möglicherweise könnte die Phase von Zinssenkungen vorerst abgeschlossen sein, sodass die Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks in den kommenden Monaten in ein neues Gleichgewicht übergeht. Die großen Notenbanken dürften sich möglicherweise in einem Spannungsfeld aus anziehender Inflation und anhaltenden geopolitischen Risiken befinden. Für Marktteilnehmer könnte dies eine Abkehr vom klaren Lockerungsnarrativ hin zu einem Umfeld erhöhter Unsicherheit in puncto Geldpolitik bedeuten. Abzuwarten gilt, wie die Auswirkungen des Iran-Krieges tatsächlich ausfallen und ob die Währungshüter zwingend mit Zinserhöhungen reagieren müssen, um die drohende Inflation wieder einzufangen. Sollte es zu anhaltenden Preisschüben kommen, dürfte dies den Inflationsdruck verlängern und den Handlungsspielraum für Zinssenkungen womöglich einengen. Allerdings könnten sich bei einer schneller als gedachten Stabilisierung auch Spielräume für eine vorsichtige Lockerung eröffnen. Von Bedeutung dürfte nicht zuletzt der Spagat sein, die Teuerung zu bekämpfen, ohne den globalen Konjunkturmotor abzuwürgen. Entscheidend könnte weniger die Richtung der Geldpolitik als deren Reaktionsfähigkeit auf neue makroökonomische Impulse sein.
Unter dem Strich könnte sich ein Umfeld abzeichnen, in dem geldpolitische Entscheidungen stark von externen Schocks geprägt sein dürften. So besteht das Risiko, dass der Iran-Konflikt weniger als isoliertes Ereignis wird, sondern als Katalysator für eine anhaltend lange Phase von Unsicherheit.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Welche Auswirkungen hatte der Iran-Konflikt im Monat März auf den Ölpreis?
Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran hat etwa den Ölpreis (West Texas Intermediate) allein im Monat März um über 50 Prozent nach oben schnellen lassen. Die nahezu faktische Blockade der Straße von Hormus sorgte für Verunsicherung, da etwa rund ein Fünftel des globalen Rohöls über die strategische Meerenge transportiert werden.
Wieso könnten die großen Notenbanken EZB und Fed im Jahr 2026 sogar Zinserhöhungen in die Wege leiten?
Angesichts der geopolitischen Eskalation im Nahen Osten und dem daraus resultierenden Inflationsschub droht die Gefahr einer neuer Inflationswelle, sodass die Notenbanken rund um den Globus möglicherweise mit Zinserhöhungen auf den möglichen Anstieg der Teuerung reagieren.
Für Marktteilnehmer könnte dies eine Abkehr vom klaren Lockerungsnarrativ hin zu einem Umfeld erhöhter Unsicherheit in puncto Geldpolitik bedeuten. Abzuwarten gilt, wie die Auswirkungen des Iran-Krieges tatsächlich ausfallen und ob die Währungshüter zwingend mit Zinserhöhungen reagieren müssen, um die drohende Inflation wieder einzufangen.
Wann will die Europäische Zentralbank (EZB) planmäßig in diesem Jahr über den Leitzins entscheiden?
Laut Plan sind die weiteren Sitzungen für das laufende Jahr für den 30. April, den 11. Juni, den 23. Juli, den 10. September, den 29. Oktober und den 17. Dezember 2026 angesetzt.
Wann will die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) laut Plan im Jahr 2026 über das Leitzinsniveau entscheiden?
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will laut Plan am 29. April, am 17. Juni, am 29. Juli, am 16. September, am 28. Oktober sowie am 9. Dezember über ihr Leitzinsniveau im laufenden Jahr entscheiden.
Welche Auswirkungen könnten potenzielle Zinserhöhungen auf die Aktienmärkte haben?
Mögliche Zinserhöhungen erhöhen die Opportunitätskosten von Aktien, da risikofreie Anlagen wie Staatsanleihen wieder attraktivere Renditen bieten können. Kapital kann so dadurch tendenziell aus dem Aktienmarkt abgezogen werden, insbesondere aus wachstumsstarken, zinssensitiven Titeln. Gleichzeitig steigen die Diskontierungsfaktoren, was die Bewertung zukünftiger Gewinne belastet. In Summe kann ein höheres Zinsniveau daher meist dämpfend auf Aktien wirken.
Könnten geldpolitische Entscheidungen von externen Schocks geprägt sein?
Unter dem Strich könnte sich ein Umfeld abzeichnen, in dem geldpolitische Entscheidungen stark von externen Schocks geprägt sein könnten. So besteht das Risiko, dass der Iran-Konflikt weniger als isoliertes Ereignis wird, sondern als Katalysator für eine anhaltend lange Phase von Unsicherheit.